Angst vor Altersarmut weit verbreitet

58% der Deutschen können keine Rücklagen für´s Alter bilden

Die Mehrheit der Europäer sorgt sich um ihre finanzielle Absicherung im Alter und besitzt geringes Vertrauen in die staatliche Rentenvorsorge. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage in elf europäischen Ländern, die YouGov im Auftrag von “Investmentfonds. Nur für alle.”, einer Initiative zahlreicher Publikumsfondsgesellschaften, durchgeführt hat.

Demnach sind 78 Prozent der gut 11.000 befragten Europäer besorgt darüber, ob der Staat ihre Rente später noch bezahlen kann. 69 Prozent aller Befragten gaben an, Angst vor Altersarmut zu haben. Zwar fühlt sich mehr als die Hälfte (57 Prozent) ausreichend über die private Altersvorsorge informiert. Eine deutliche Mehrheit von 79 Prozent ist aber der Ansicht, mehr privat vorsorgen zu müssen, um den individuellen Lebensstandard im Alter halten zu können.

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zum vergrößern anklicken – Bild-obs/BVI / Initiative “Investmentfonds. Nur für alle.”

Dennoch würde nur rund ein Viertel (27 Prozent) der europäischen Sparer zusätzliches Einkommen für die private Altersvorsorge zurücklegen.

“Die Umfrage zeigt, dass die Angst vor Altersarmut ein europaweites Phänomen ist”, sagte Thomas Neiße, Präsident des deutschen Fondsverbands BVI, bei der Vorstellung der Ergebnisse in Frankfurt. “Zugleich offenbart sie ein gestörtes Vertrauen der Europäer in die staatlichen Vorsorgeangebote und deutliche Lücken in der privaten Altersvorsorge“, so Neiße weiter.

Furcht vor Altersarmut in Krisenländern besonders groß

In den stark durch die Schuldenkrise betroffenen Ländern Südeuropas ist auch die Angst vor Altersarmut besonders weit verbreitet. In Portugal und Italien befürchten jeweils neun von zehn Befragten Armut im Alter. In Griechenland und Frankreich fürchten über 80 Prozent Altersarmut, in Spanien sind es fast drei Viertel (73 Prozent). Doch auch in wirtschaftsstarken Ländern sind die Bürger stark verunsichert. So befürchten beispielsweise 63 Prozent der Deutschen und knapp die Hälfte (45 Prozent) der Norweger Armut im Alter. In Deutschland ist die Angst damit etwas weniger verbreitet als im Durchschnitt aller Länder (69 Prozent).

Mehrheit der Europäer hält sich für sparsam

Mehr als die Hälfte aller Befragten (62 Prozent) sieht sich finanziell nicht in der Lage, privat für das Alter vorzusorgen. Das gilt vor allem für die Südeuropäer und Franzosen. Den geringsten finanziellen Spielraum für Altersrücklagen sehen die Bürger in Griechenland. Dort gaben 78 Prozent der Befragten an, keine private Vorsorge leisten zu können, gefolgt von den Portugiesen (75 Prozent). Auch in Spanien, Italien und Frankreich sind jeweils über 70 Prozent der Befragten dieser Ansicht. Deutschland liegt mit 58 Prozent knapp im Mittelfeld. Den meisten Spielraum sehen die Norweger: Dort gab nur knapp die Hälfte (45 Prozent) an, keine privaten Rücklagen für die Altersvorsorge bilden zu können.

Dabei halten sich fast alle Europäer schon jetzt mehrheitlich für sparsam. Zwischen den einzelnen Ländern gibt es kaum Unterschiede bezüglich der Einschätzung der eigenen Sparsamkeit. Im Schnitt gaben drei Viertel der Befragten an, “sehr sparsam” oder “eher sparsam” zu sein. In den Krisenländern Griechenland und Portugal sind 75 Prozent beziehungsweise 81 Prozent dieser Auffassung. Die Deutschen sehen sich mit 78 Prozent auf Platz zwei bei der Sparsamkeit, hinter den Portugiesen. Schlusslicht sind die Spanier, die sich zu 40 Prozent für “eher nicht” oder “überhaupt nicht sparsam” halten.

Die meisten Europäer würden zusätzliches Geld zurücklegen

Auch beim Sparverhalten liegen die Europäer eng beieinander. Wenn sie 100 Euro mehr im Monat zur Verfügung hätten, würde die Mehrheit der Befragten (65 Prozent) das Geld “eher sparen”. Das sagten vor allem die Portugiesen (79 Prozent), die Norweger (72 Prozent) und die Niederländer (70 Prozent). In Deutschland würden dagegen 42 Prozent das zusätzliche Einkommen “eher ausgeben”.
Von allen Befragten, die zusätzliches Geld eher ausgeben würden, würde fast die Hälfte (48 Prozent) laufende Kosten decken. Von den Sparwilligen würde mehr als die Hälfte (57 Prozent) das Geld für eine größere notwendige Anschaffung zurücklegen. Nur rund ein Viertel (27 Prozent) würde es dagegen für die private Altersvorsorge sparen. Jeder Fünfte (22 Prozent) wäre allerdings bereit, zusätzliches Geld für Gesundheits- und Pflegekosten anzusparen. Wer diese Ersparnisse ebenfalls der Altersvorsorge zurechnet, erkennt eine deutlich höhere Bereitschaft, private Rücklagen für das Alter zu bilden.

Zukunftserwartungen spiegeln die aktuelle wirtschaftliche Lage wider

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Allerdings dürfte zusätzliche private Vorsorge auch zukünftig vielen Bürgern schwer fallen. Denn eine “ausgezeichnete” oder “gute” Wirtschaftsentwicklung erwarten im Schnitt nur rund 30 Prozent aller Europäer.

Die Bürger der südeuropäischen Staaten sind am pessimistischsten: In Portugal und Griechenland erwarten neun von zehn Befragten, dass sich die Wirtschaft ihres Landes in den nächsten drei Jahren nur “mittelmäßig” bis “schlecht” entwickeln wird. Auch die Italiener und Spanier zeigen sich mehrheitlich skeptisch zur zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung. Ähnlich pessimistisch äußern sich die Niederländer und Engländer. Positiver blicken die Deutschen, die Schweizer und die Österreicher in die Zukunft. Am optimistischsten sind die Norweger. Von ihnen gehen 78 Prozent von einer ausgezeichneten bis guten Entwicklung ihrer heimischen Wirtschaft aus.

Über die Umfrage

Im Auftrag der Initiative “Investmentfonds. Nur für alle.” ermittelte das internationale Marktforschungsinstitut YouGov Deutschland AG den Umgang und die Einstellung der Europäer zu den Themen Geld, Sparen, Finanzbildung und private Altersvorsorge. Dafür befragte YouGov per Online-Fragebogen insgesamt 11.268 Teilnehmer aus 11 europäischen Ländern (Deutschland, England, Frankreich, Griechenland, Italien, Norwegen, Niederlande, Österreich, Portugal, Schweiz, Spanien). Um repräsentative Ergebnisse zu erzielen, wurden mindestens 1000 Teilnehmer pro Land befragt. YouGov erhob die Daten vom 4. Februar bis zum 26. Februar 2013.

 

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