Der Wind, die Energie und die Kleingeister

Seit mindestens 15 Jahren wird über die Windenergie haltloser Blödsinn verbreitet. Im Landkreis Pfaffenhofen endete nun das Genörgel der Windkraftgegner mit einer großen Blamage. Die Einwohner des Wind-Standortes Sünzhausen straften in überzeugenden Leserbriefen die Windkraft-Gegner ab.

Windenergie wird seit vielen Jahrhunderten genutzt. Der moderne technische Einsatz begann in Deutschland mit einem spektakulären Fehlschlag, mit der Großen Windanlage, Growian genannt, die 1983 an der Elbemündung in Betrieb ging und nach nur 430 Betriebsstunden schon wieder verschrottet werden musste.

Dennoch haben die Ingenieure gerade aus diesem Fehlschlag gelernt, wie es geht. Sehr bald breiteten sich Windräder in weiten Teilen Deutschlands aus und sie wurden dank technischer Innovation rasch leise und überaus effektiv.

Gefördert von der Elektrizitätswirtschaft und der Atomlobby hielten sich jedoch hartnäckig verleumderische Gerüchte von Lärm, Schattenwurf, Umweltschäden, getöteten Vögeln und nicht vorhandener Rentabilität.

Das Höhnen über die Windräder war ein Dauerbrenner an allen Stammtischen in allen Wirtshäusern des Bayernlandes und jeder berauschte Volldepp konnte auf diese Weise seine überlegene Urteilsfähigkeit kundtun. Denn es bedarf keiner weiteren Begründung: in Bayern ist der Wind tatsächlich schwächer als an der Nordseeküste und in den Anfangsjahren um 1990 waren einige Anlagen tatsächlich zu laut.

Aber sind das Gründe um die Gehirne auf den Schwachsinn-Modus herunter zu fahren, oder sollte man nicht besser nüchtern über die Angelegenheit nachdenken?
Die Atomkatastrophe von Fukushima hat das klare und vorurteilslose Denken insoweit befördert, dass über die Windenergie neu verhandelt werden kann.

Deshalb hier die wichtigsten Argumente:

Windkraft rentiert sich auch in Schwachwindregionen: Die Rücklaufzeit ist die Zeit, die ein Windrad braucht bis die zu seiner Erstellung aufgewendete Energie wieder hereingeholt ist. Die Rücklaufzeit oder energetische Amortisation hängt stark von der Art und Größe der Anlage ab und vom Standort. Sie liegt zwischen drei und sechs Monaten und in selbst in sehr ungünstigen Gegenden noch weit unterhalb von einem Jahr. Somit erbrütet ein Windrad innerhalb seiner Lebenszeit von 25 Jahren das 40- bis 70-fache der eingesetzten Energie.
Auch in Gegenden mit wenig Wind lohnt sich die Windenergie. Man benötigt hier Windräder mit besonders langen Rotoren und vergleichsweise schwachen Generatoren. Dann funktioniert es auch bei schwächerem Wind.

Der Schattenwurf wirkt sich nur geringfügig aus: Der Gesetzgeber hat hier für den Schutz der Anwohner gesorgt. Unter realen Bedingungen sind punktuell nur 7-8 Stunden Schatten pro Jahr erlaubt.

Bei Wikipedia liest sich das so:
Nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz darf der Schattenwurf (auch Schlagschatten genannt) durch Windkraftanlagen auf (bestehende) Wohnhäuser jeweils nicht mehr als 30 Stunden pro Jahr und 30 Minuten pro Tag betragen. Diese Grenzwerte gelten unabhängig von Anlagenzahl und -größe. Bei dem Jahresgrenzwert handelt es sich um eine theoretische Größe, die sich unter Annahme von stetigem Wind, Betrieb, Sonnenschein und maximaler Schattenprojektion ergibt. Dies führt zu realen Belastungen von etwa sieben bis acht Stunden im Jahr pro Immissionspunkt, die über Mess- und Steuerungseinrichtungen in den Anlagen eingehalten werden müssen. Insbesondere der flackernde Schatten des drehenden Rotors wird oft als belästigend empfunden. Anlagen, bei denen Gutachten zur Genehmigung eine Überschreitung der Grenzwerte zeigen, werden heute mit einer sonnenstands- und wetterabhängigen Schattenwurfregelung ausgerüstet, die durch die automatische zeitweise Abschaltung der Anlagen für die Einhaltung der Grenzwerte sorgen.”

Vögel kommen mit den Rotoren gut zurecht:

Nach einer Studie des NABU 2005 werden von den Rotorblättern 0,5 Vögel pro Anlage und Jahr getötet. Das liegt um den Faktor 5- 10.000 niedriger als die Zahl der Vögel, die durch den Straßenverkehr und durch Hochspannungsleitungen getötet werden.

Windkraftanlagen sind leise.

Hier sagt der Gesetzgeber, dass der Schall auf keinen Fall 45 dB überschreiten darf. Diese Flüsterlautstärke wird in einer Entfernung von 300 bis 500m von der Anlage erreicht. Das entspricht auch der Erfahrung, dass man aus etwa 400m das Säuseln der Rotoren nur unter günstigen Bedingungen und mit höchster Aufmerksamkeit wahrnehmen kann. Normale Entfernungen zu Anlagen sind aber mindestens 600 bis 1000m.
Das kann jedermann durch einen Besuch der lokalen Windräder in Denkendorf, Schweitenkirchen und Sünzhausen nachprüfen. Aufschlussreich ist auch dieser Link:

Windkraft wird von der Bevölkerung akzeptiert.

Dazu Wikipedia: „Die dritte jährliche Forsa-Umfrage zur Akzeptanz der Erneuerbaren Energien in Deutschland wurde 2009 durchgeführt. Sie war repräsentativ und ergab unter anderem:

  • die Akzeptanz von Windenergieanlagen ist auch in der eigenen Nachbarschaft hoch. Je mehr Erfahrungen die Bevölkerung bereits mit Windkraftanlagen gesammelt hat, desto höher ist die Akzeptanz für neue Anlagen
  • wer erneuerbare Energien bereits aus der eigenen Umgebung kennt, bewertet sie überdurchschnittlich gut: 55 Prozent der Gesamtbevölkerung stehen Windkraftanlagen positiv gegenüber; in der Gruppe, die Windräder in der Nachbarschaft haben, liegt die Zustimmung bei 74 Prozent

Windkraft kann 65% des Strombedarfs decken.

Im Auftrag des Bundesverbands Windenergie hat das Fraunhofer Institut für Windenergie in Kassel 2009 eine Studie (pdf) angefertigt. Die Verfasser gingen davon aus, dass nur 2% Prozent der Fläche Deutschlands für den Ausbau der Windenergie gebraucht würden. Selbst wenn die zu bauenden Anlagen einen Abstand von mindestens 1000m zu Wohngebieten einhielten könne man allein an Land 65% des Bruttostromverbrauchs von 603 Terawattstunden in 2010 erzeugen.

Die Possenspiele und Narreteien der Windkraftgegner vor Ort

Nachdem die Argumente in ihrer überwältigenden Klarheit vorliegen, kann man sich nun die lokalen Possenspiele um die Windkraft genüsslich vor Augen führen. In mehreren ausführlichen Berichten des Pfaffenhofener Kuriers wurde der Widerstand gegen den Bau von Windrädern in Paunzhausen dokumentiert, fast kann man sagen gefeiert. Insbesondere ein Chefarzt des Pfaffenhofener Krankenhauses glänzt mit physikalischem Nichtwissen, indem er auf die Gefahren „des Infraschalls“ hinweist. Infraschall ist ein allgegenwärtiges Phänomen. Vereinfacht handelt es sich um einen periodischen Luftzug, etwa am Straßenrand, wenn Fahrzeuge vorbeifahren. Entscheidend ist die Energie dieser Luftströmungen. Bei Windrädern liegt die Energie des ausgelösten Infraschalls sehr weit unterhalb eines möglichen Schadensbereichs. Das ist ein Unterschied wie der zwischen einer herabfallenden Bombe und einem herabfallenden Streichholz.

Leserbriefe strafen die Windkraftgegner Lügen

Angeblich sollte es nach Darstellung der Presse in Sünzhausen zahlreiche gestörte Menschen geben, die unter dem dortigen Windrad leiden würden. Umso pikanter sind gleich vier Leserbriefe, die am 30. November 2011 im PK abgedruckt wurden und die mit der Mär vom störenden Windrad gründlich aufräumen.

Leserbrief-1 / Leserbrief-2 / Leserbrief-3
Unter der Überschrift „Sünzhausen ist stolz auf sein Windrad“ werden die Argumente gegen die Anlage gründlich vom Tisch gewischt. Nichts da mit Schattenwurf, Störung der Optik oder Wertverlust von Immobilien. Unterschrieben sind die Briefe von zwei Dutzend Familien und Einzelpersonen. Wer das kleine Sünzhausen kennt, der weiß, das ist praktisch das ganze Dorf. Einer der Schreiber bringt es auf den Punkt. Eine Fliege an der Wand stört mehr als das Windrad.

Damit dürfte alles zum Thema gesagt sein.

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