REWE Umzug – Kalte Füße im Stadtrat

Als es durch das undichte Dach des REWE-Marktes in den Verkaufsraum tropfte, war die Sache für den Lebensmittler klar: Wir machen dicht oder ziehen an den Stadtrand! Um den Lebensmittelmarkt in der Stadt zu halten, stimmte der Stadtrat zwar in der öffentlichen Sitzung vom Mai 2009 für einen Umzug, erschwerte dem Projektentwickler jedoch in der Folge die zügige Umsetzung. Am Donnerstag nun die vorerst letzte Volte: Der Stadtrat verweigerte eine neuerliche Umplanung. In nichtöffentlicher Sitzung!

Man musste hier einen „schwierigen Spagat“ schaffen, verteidigte Bürgermeister Staudter den damaligen Verlagerungs-Beschluss des Stadtrats. REWE würde in jedem Fall seine Filiale am jetzigen, sanierungsbedürftigen Standort schließen, und damit der einzige Lebensmittelmarkt im Süden Geisenfelds verloren gehen. Damit sich REWE aber nicht gänzlich aus der Stadt zurückziehen würde, genehmigte man dem Konzern etwas, was man noch Monate zuvor der EDEKA-Südbayern verwehrte: Einen größeren Neubau am Stadtrand. Mit zusätzlichen, in die Ladenzeile integrierten weiteren Sortimentern!

Genau diese zusätzlichen “Sortimenter”, wie Schuh- oder Drogeriefilialisten waren es, die die ansonsten bräsig vor sich hin agierende Interessenvertretung der Innenstadtgeschäfte, die „Unternehmer Runde Geisenfeld“ (URG) auf den Plan rief.

Da Wettbewerb bekanntlich nur dort begrüßt wird, wo man nicht selber davon betroffen ist, Kaufleute in aller Regel zuerst ihre eigenen und danach erst die Interessen von Bürgern und Verbrauchern im Blick haben, verwunderte diese marktwirtschaftlich antiquierte Konkurrenzabwehr nicht besonders. Durch die drohende Konkurrenz am Stadtrand befürchte man eine Verstetigung leerstehender Verkaufsflächen im Stadtkern. Der Zahn der Zeit solle gefälligst woanders nagen und das Bessere in Geisenfeld nicht der Feind des Guten sein.

Bedenkenträger sprachen in der Folge mit anderen Bedenkenträgern und so wurde die Zahl der neben dem Supermarkt geplanten Ladenflächen von 4 auf 1 das Maß der Dinge. Zwischenzeitlich meldeten die Stadtplaner zusätzlichen Bedarf bei der Zufahrtsstraße zum REWE-Neubau an. Hatten doch die städtischen Planer in der Vergangenheit bei der Errichtung des dortigen Kreisels wenig Augenmaß bewiesen, und gleichzeitig für ein östlich liegendes Baugebiet eine Erschließungsstraße dorthin „vergessen“. Diese Straße wollte man, im Zuge dieses Neubaus, nun auf Kosten des REWE-Neubaus günstig bekommen.

Zwischenzeitlich-hinter den Kulissen wurde die Verärgerung des von REWE beauftragten Projektentwicklers IBS immer spürbarer- erkannte ein Stadtrat seine populistische Chance und erinnerte sich öffentlichkeitswirksam im Sommer daran, eigentlich schon immer gegen diesen Umzug gewesen zu sein. Als Ausfluss seiner Überlegung ließ er Unterschriften zum Erhalt eines Lebensmittelmarktes im Ortsteil Zell sammeln. Nur wenige wollten da gegen einen eigenen Lebensmittelmarkt sein!

Zu alledem kam vom Bürgermeister nur beredtes Schweigen. Auf den Stand der Dinge angesprochen ließ er über die Zeitung verbreiten, sofern REWE Gesprächsbedarf habe, könne man bei ihm um einen Termin nachsuchen. Kleiner Mann ganz groß!

Doch liefen hinter den Kulissen in der Zwischenzeit schon Alternativgespräche. Aspekte der Städtebauförderung mussten berücksichtigt werden. Man nahm wieder Gespräche mit der EDEKA-Südbayern und dem, den Markt in Geisenfeld betreibenden Kaufmann auf. Zwei Abgesandte aus der EDEKA-Zentrale, der Geisenfelder Kaufmann und sein Vermieter sprachen zuerst mit dem Bürgermeister und danach-in einer dem Publikum nicht zugänglichen Gesprächsrunde- mit dem gesamten Stadtrat.

Dabei machte man zur Überraschung der Stadträte klar, sollte der REWE Umzug wirklich kommen, würde man den Innenstadtmarkt aus betriebswirtschaftlichen Gründen schließen müssen. Zumindest würde der derzeitige Kaufmann den Standort aufgeben.

Sollte REWE jedoch an seinem bisherigen Standort verbleiben, also die Behinderung durch die angedachte Dachsanierung in Kauf nehmen –oder sogar auf einen städtischen Neubau an gleicher Stelle warten wollen- dann hätte der EDEKA-Innenstadtmarkt die benötigte, längerfristige Perspektive und man würde sofort modernisieren. Mit der Option, einen Drogeriemarkt am EDEKA-Markt zu integrieren.

EDEKA ging sogar einen Schritt weiter. Sollte sich REWE gänzlich aus Geisenfeld zurückziehen, würde man zum Innenstadtmarkt auch den, dann sanierten ehemaligen REWE-Markt übernehmen.

Für die Stadträte waren diese Aussagen der ersehnte Ausweg, mit dem sie ihre übereilte, mit wenig Augenmaß getroffene Entscheidung zum REWE-Umzug gefahrlos revidieren konnten. Was sie am vergangenen Donnerstag -erneut nicht öffentlich- mit der Verweigerung der vom REWE-Projektentwickler angefragten Umplanung- taten.

Dabei ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Nach „Bürgersicht“ vorliegenden Informationen kann REWE immer noch bauen. Im Gegensatz zu der vom Bürgermeister in die Zeitung verbreiteten Angabe, ein „wichtiges Grundstück“ stehe nicht mehr zur Verfügung, liegt hier vom Eigentümer durchaus Verkaufsbereitschaft vor.
Interessant dürfte demnächst die Antwort auf die Frage werden, was Stadtratsbeschlüsse eigentlich wert sind und was es den Bürger kosten könnte, wenn Beschlüsse von dieser planerischen Tragweite konterkariert werden.

Eine Antwort darauf wird es sicher geben. Alleine schon deshalb, weil in der Zeitung hinter dem Namen des Bürgermeisters seit einigen Wochen nicht mehr nur die sonst übliche Kurzform seiner politischen Gruppierung “USB” stehen soll , sondern diese jetzt im vollen Wortlaut ausgeschrieben wird.

Eine ziemlich dämliche “Sonderbehandlung”, die, solange sie nicht für alle anderen politischen Gruppierungen eingeführt wird, eine journalistisch unterstützte Wichtigtuerei darstellt!

Über Bernd Schuhböck

Nach den Maßstäben der Ära Willy Brandts politisch eher linksliberal. Wer ihn missverstehen möchte, nennt ihn einen Sozialromantiker. Wer ihn kennt, wertkonservativ und mit zu viel Ethos für einen Bayer. Der Mann für´s kommunale, soziale oder sonstwie politische. Oder für Themen, für die sich keiner fand, der sie aufgreifen wollte.

Check Also

Dringend angeraten – PC-Leihgeräte für bedürftige Schüler an PAF-Schulen nun möglich.

Laut MdL Karl Straub (CSU) fließen an die Schulen im Landkreis dafür “mehr als eine halbe Million Euro“.

Schreibe einen Kommentar