Spektakuläre Wahlkampfaktion- Wie viele Kandidaten passen in einen Gulli

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“Voralpenländischer Verfassungsdienst” veröffentlicht Bilder von geheimen USB-Vorbereitungen für Geisenfeld

Schluss mit Hausfrauenkunst im Treppenhaus des Rathauses. Zur Kommunalwahl muss es Aktionskunst in ganz Geisenfeld sein. Was mit hingehängtem Bürgermeister und angeklatschten USB-Stadträten begann, soll mit eingequetschten USB-Stadtratskandidaten an Gebäuden den Wahlsieg sichern.

Sie habe da etwas aufregendes auf der Fahrt zu einer der vergangenen Geburtstagsfeiern ihres Mannes gesehen, berichtete Geisenfelds Kulturreferentin Henriette Staudter am Rande einer mäßig besuchten Kunstausstellung im Rathaus, auf der filigrane Salzteigkreationen hundertjähriger, an Tremor leidender Hopfenbäuerinnen gezeigt wurden.

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Aus “USB-Aufwind (2012 u. 2013)

Ihr Mann, der derzeitige Bürgermeister von Geisenfeld und frühere Berufschullehrer, wolle seinen Geburtstag ab und an in seinem Lieblingsort Tatzenbrück feiern. Ihr Christian fühle sich dort besonders wohl, berichtete die Kulturreferentin, da das städtische Museum des Ortes in einer seiner Vitrinen den berühmten Rohrstock des unbekannten Berufsschullehrers aufbewahre.

Doch nicht der Rohrstock war es, der die Kulturreferentin in ihren Bann zog. Es war die öffentliche Performance einer offensichtlich kunst- aber auch frischluftbegeisterten Truppe die man in Tatzenbrück zu sehen bekam.

Unter dem Motto „Bürger passend gemacht“ präsentierte diese Truppe ihre Körper in öffentlichen Räumen, und bot damit eine vollkommen neue Sichtweise auf funktionelle, urbane Strukturen.

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Als Henriette Staudter im Gespräch mit einem der Organisatoren ihre Rolle als Referentin für Art, Librarystyle und Urban Design (in Kommentaren auf “Bürgersicht” auch „Dekorette“ genannt) einer im Fokus einer größeren Öffentlichkeit stehen (wollenden) Stadt ansprach, machte der sie auf die Vorgängerveranstaltungen in Paris, Wien und New York aufmerksam.

Jetzt wurde ihr Interesse vollends geweckt und ihr Entschluss stand fest:
Was für diese Städte wichtig und richtig war, sollte für Geisenfeld nur recht und billig sein.

Angetestet hatte sie diese Art von „Kunst“ ja bereits, als man 2012 für die USB-Postille ein Weihnachtsbild brauchte, und dafür Bürgermeister und USB-Stadträte in eine bunte Kletterwand hing. (Und 2013 erneut veröffentlichte) Die Reaktionen darauf waren zwar dürftig, jedoch nicht so entmutigend, als dass man das nicht von willigen Schreiberlingen nicht doch noch positiv beschrieben bekommen könnte.

Doch da die Kunstbegeisterung des Stadtrats in den letzten Monaten stark nachgelassen hatte -stattdessen verlangte man dort plötzlich eine genaue Aufstellung ihrer Ausgaben- würde sie die Aktion nicht als städtische Veranstaltung, sondern als Vehikel für den USB-Wahlkampf nutzen, um damit ihre und die Wiederwahl ihres Mannes zu befördern.

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Dazu würde sie die ausreichend willigen Mitglieder des USB-Wahlvereins unter dem USB-Wahlkampfmotto
„Die Staudters -Perlen des Nordens – Nur im Doppelpack“
in Hauseingänge stopfen, sie in verschiedene Ritzen quetschen und sie an und auf die verschieden Gebäude der Stadt hängen.

Bedauerlicherweise musste sie bei ihrer Suche nach geeigneten Aktions-Objekten auf die „Steinberger-Brücke“ verzichten. Dort hatte bereits ihr Mann Lichterketten und Blumenschmuck hinhängen lassen und dies unter dem Wahlkampfmotte verkauft, “Staudter- Geisenfeld jeden Tag etwas besser machen“.

Der „Voralpenländische Verfassungsdienst“ hat „Bürgersicht“ nun die Aufnahmen der geheimen USB-Proben zugespielt. Leider machten die „Dienstler“ keine Angaben über den Ort, in dem diese Bilder entstanden. Wir vermuten eine Kommune, die innerhalb des Radius einer USB-Radeltour liegt.

Was wir aber genau wissen, und das vermerken wir hier vorsorglich für alle tieffliegenden Kommentarschreiber aus den unterschiedlichsten Wahlkampflagern: Sie lasen gerade eine Satire. Comprende?

Zur Dokumentation “Bodies in Urban Spaces” geht es hier.
(Die Bilder des Bürgersicht Artikels stammen von Andrew Russeth , Greg Hedley, Stefan Kaz und Mathias Pascottini)

Über Bernd Schuhböck

Nach den Maßstäben der Ära Willy Brandts politisch eher linksliberal. Wer ihn missverstehen möchte, nennt ihn einen Sozialromantiker. Wer ihn kennt, wertkonservativ und mit zu viel Ethos für einen Bayer. Der Mann für´s kommunale, soziale oder sonstwie politische. Oder für Themen, für die sich keiner fand, der sie aufgreifen wollte.

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