Wiederwahl Staudter – Wegen seiner strammen Sprüche?

Hat Bürgermeister Staudter Qualitäten die man in Geisenfeld vermissen würde?

Zur Einführung ein Bewerbungsgespräch

Die lichten Stellen hatte der Bewerber mit Resthaar akribisch überkämmt, auf Volumen geföhnt und mit Taft fixiert. Das jugendlich wirkende Brillengestell auf der überpuderten roten Nase sollte zumindest Wiedererkennungswert zum bereits vor Jahren aufgenommenen Foto in der Bewerbungsmappe haben.

Nach obligatorischem Begrüßungsgeplänkel und ohne auf die offensichtliche Diskrepanz zwischen Bewerbungsfoto und dem vor ihm sitzenden Stellenbewerber einzugehen, nahm der von der Bürgerschaft auserkorene Bewerberprüfer den vor ihm sitzenden fest in den Blick und stellte ihm die erste, eine in jedem kommunalen Bewerbungsratgeber als zwingend und erwartbar beschriebene Frage.

Warum er sich erneut für diese Position in dieser Stadt bewerbe, wollte der Prüfer wissen.
Weil er diese Stadt liebe, bekannte der Bewerber frei heraus. Das tat er schon immer, doch immer unter einem anderen Motto. Diese Stadt die er aus dem Dornröschenschlaf erweckte und sie dienend, nicht herrschend zur Perle in ihrer Region veredelte. Obwohl man an Perlen schlecht noch etwas verbessern könne, wolle er getreu seines neuen Mottos, diese Stadt jeden Tag noch etwas besser machen.

Ein guter Freund meinte neulich zu ihm, fügte der Bewerber am Ende seiner Ausführungen an, er könne das.

Mitarbeiter aus den benachbarten Büros der Bewerbungsstelle wollten sich später nur noch an ein schallendes Gelächter des Prüfers erinnern das dem hysterischen Gebrüll vorausging, mit dem der Prüfer den Bewerber aus seinem Büro schmiss.

Mit Sprüchen von gestern heute Bürgermeister werden

Diese erfundene Bewerbung findet gerade mit anderen Mitteln aber identischem Wortlaut in Geisenfeld statt. Man mag es kaum glauben, doch mit dieser antiquierten und peinlichen Ausdrucksweise möchte der amtierende Bürgermeister die Bürger Geisenfelds erwärmen, ihn erneut für 6 Jahre als Bürgermeister ins Geisenfelder Rathaus zu wählen.

Diese verquaste, gestrige Ausdrucksweise korrespondiert mit einer vordemokratischen Gedankenwelt, in die Staudter die Mitglieder des Stadtrats und die zuhörenden Bürger bei einer Stadtratssitzung im März 2011 mitnahm.

Ein Stadtrat hatte in dieser Sitzung erklärt, er habe sich bei einer staatlichen Stelle nach Möglichkeiten und eventueller Höhe von Zuschüssen für den Bau der Nord-Umgehungsstraße erkundigt. Die dabei genannten Zahlen seien viel geringer und entsprechen nicht im entferntesten denen, die der Bürgermeister in der Sitzung genannt habe. (Der Bürgermeister hatte keinen Beleg für die von ihm genannten Zuschusshöhen)

Woher haben sie diese abstruse Zahl” schrie der Bürgermeister den Stadtrat an. Diese Zahl stimme nicht.
Und überhaupt, redete sich der Bürgermeister in Rage, wie käme besagter Stadtrat dazu, hinter seinem Rücken “Behördeninformationen” einzuholen?

Neben dieser, einem Stadtrat gegenüber durchaus als Frechheit und Behinderung zu wertenden peinlichen Aussage gab es noch die “Staudtereien” in der Stadtratssitzung vom November 2013. Auf ihr wurde, neben anderen Tagesordnungspunkten auch über ein falsch abgefasstes Protokoll gesprochen. Da man den Bürgermeister als schlussendlich Verantwortlichen um Aufklärung ersuchte, entrüstete er sich polternd über “Unterstellungen und Verleumdungen mit denen man sich hier auseinandersetzen muss“. (Wobei er vergaß zu erwähnen, wer hier verleumdet und wo dies geschehen sei)

In der Sache selber, also dem von „Bürgersicht“ öffentlich gemachten „falschen“ Protokoll
forderte Staudter die Räte nicht nur auf, sich nicht an die vom bayerischen Staat vorgegebene Gemeideordnung zu halten,
er offenbarte damit auch seine äußerst merkwürdige Sichtweise
im Umgang mit Öffentlichkeit, Vorschriften und Stadträten,
und den vom bayerischen Gesetzgeber vorgegebenen Anforderungen an die Arbeit eines Bürgermeisters und des Stadtrates.

Er würde bei einem als fehlerhaft erkannten Protokoll folgende Vorgehensweise erwarten: Man solle „in der Verwaltung sagen“, so war das nicht, stellt das bitte klar, „überdenkt das noch mal“. Jetzt kann man „das intern klären“, so der Bürgermeister.

Wenn man natürlich „damit in die Öffentlichkeit geht oder solche Dinge vom Zaun bricht“, verirrte sich der Bürgermeister in den der Sonne abgewandten Teil der „Bayerischen Gemeindeordnung“(GO), dann sei das seines Erachtens „ein großer Vertrauensbruch“! (Anmerkung des Verfassers: Was muss man sich einwerfen, um zu solchen Aussagen fähig zu sein?

(Im der Sonne zugewandten Teil der GO steht die allseits bekannte Passage mit der Geschäftsordnung. In der gab sich der Geisenfelder Stadtrat die Vorgabe, einen Protokollfehler aus der vergangenen Stadtratssitzung bis zum Ende der aktuellen Sitzung „öffentlich“ anzusprechen und so eventuell richtig stellen zu können. Von „interner“Vorgehensweise oder „Vertrauensbruch“ bei Einhaltung dieser zwingenden Vorgabe steht da nichts.

Wie schrieb Staudter in der USB-Postille vom Januar 2008, in der er die Geisenfelder darum bat, ihn zum Bürgermeister zu wählen:     „Ich möchte Bürgermeister werden, weil …. ich überzeugt bin, dass meine fachlichen und menschlichen Qualifikationen für dieses Amt und unsere Stadt nützlich sein werden..“ Konnte er auch die Geisenfelder davon überzeugen, dass er diese Qualifikationen besaß und er wirklich NÜTZLICH war?

Bei Licht betrachtet wurde nichts behauptet sondern nur “gemeint”!

Dieses Spiel des “ich behaupte einfach” etwas, im nachfolgenden Fall gegriffene Zuschusshöhen, fand auch Anfang 2014 im Wahlkampf statt. Obwohl an keiner Stelle zu lesen, nirgends verzeichnet oder von einer staatlichen Stelle zugesagt oder verbürgt, suggeriert der Bürgermeister für den Bau der Nordumgehung Zuschusshöhen von 70 Prozent.
Bei derzeit geschätzten Kosten von ca. 12 Mio. € inkl. Grunderwerb beträgt der Anteil der Stadt bei einer Förderung von 70% durch den Freistaat Bayern rund 4 Mio. €“, teilt der Bürgermeister auf seiner Wahlkampf-Homepage mit.
(Bitte genau lesen: Wer schätzt hier und wer behauptet die 70%. Richtig, ein nicht genannter Umgehungsstraßenfreund der einfach eine günstige “Musterkalkulation ohne Wert” aufmacht)

Die Bürgermeistersprüche mit Aussagen zu Zahlen sind besonders beeindruckend.

So tönte Bürgermeister Staudter in seiner (absolut unnötigen) Eröffnungsrede anlässlich der Werbeveranstaltung „Geisenfeld unternehmen“ davon, mit den jährlich 5 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen der Geisenfelder Betriebe können “wir in Geisenfeld fast jedes Jahr eine Dreifach-Sporthalle bauen“. Tage später meldete das Landratsamt den Geisenfelder Einbruch der Gewerbesteuer um über 50 Prozent. (Am Ende war es ein 38-prozentigerEinbruch)

Im laufenden Wahlkampf behauptete der große Zahlenversteher Staudter Geisenfeld liege bei der Finanzkraft an erster Stelle aller Kreisgemeinden. Noch vor der Kreisstadt.(Bürgersicht druckte dazu die aktuellen Daten aus dem Bayerischen Landesamt für Statistik ab. Staudters Angaben wurden nicht bestätigt)

Besonders deplatziert war Staudters Einlassungen zu Verkehrstoten wegen fehlender Umgehungsstraße

Als am 23. März 2011 Martin Zeil, der damalige bayerische Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie bei einem Firmenbesuch in Geisenfeld weilte, drückte ihm Staudter einen Brief in die die Hand. Darin monierte er als “mittlere Katastrophe“, dass die erhoffte Umgehung im neuen Ausbauplan nur noch auf Dringlichkeitsstufe 2 rangiere. (und deshalb frühestens in 15 Jahren -eventuell- gebaut werden würde)

Mit der Bezeichnung “Katastrophe” verstieg sich Staudter in die von ihm gewohnte, typisch überzogene Ausdrucksweise. (“Katastrophe” = furchtbares, verhängnisvolles Ereignis)
Als Begründung für den dringlichen Bau der Umgehungsstraße gab der Bürgermeister in seinem Brief die enorme Belastung an, die “bis hin zu tödlichen Verkehrsunfällen” führe. (Auf der Straße nach Nötting kam es bedauerlicherweise zu einem tödlichen Verkehrsunfall. Eine Umgehungstraße hätte ihn nicht verhindern können)

Da man nicht nur auf einem Bein schlecht steht, sondern anscheinend auch mit einem Spruch allein schlecht dasteht, schob er in diesem Brief noch einen Spruch hinterher.
Niemand am Ort habe Verständnis dafür, “weitere 15 Jahre vertröstet zu werden“ so Staudter in seinem Brief. Niemand? Dass er mit dieser steilen Behauptung einen zu diesem Zeitpunkt nicht mehr übersehbaren Anteil an Umgehungsstraßengegnern (Inkl. 3 Stadträte) einfach übersah ….. Staudter eben!

Wollen sie auf “Bürgersicht” noch etwas ausführlicher recherchieren oder haben sie im obigen Text bereits die Qualitäten entdeckt, die Staudter ihrer Meinung nach erneut zum Geisenfelder Bürgermeister befähigen?

Wenn sie die Frage mit JA beantworten können, sollten sie dazu betragen, das ihm zusammen mit seinen starken Sprüchen die Kommune und unser Gemeinwesen für weitere 6 Jahre anvertraut wird.

Wenn sie die hier geschilderten Qualitäten nicht überzeugen …… wählen sie am Sonntag einfach etwas erfolgversprechenderes!

Übersetzungsnachtrag: Als “Froasla” wird in Bayern ein Mensch bezeichnet, der Unsinn faselt oder Schmarrn verzapft. In den letzten 6 Jahren hat Staudter sehr viel Schmarrn verzapft.

Über Bernd Schuhböck

Nach den Maßstäben der Ära Willy Brandts politisch eher linksliberal. Wer ihn missverstehen möchte, nennt ihn einen Sozialromantiker. Wer ihn kennt, wertkonservativ und mit zu viel Ethos für einen Bayer. Der Mann für´s kommunale, soziale oder sonstwie politische. Oder für Themen, für die sich keiner fand, der sie aufgreifen wollte.

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