Tag der offenen Türen in Geisenfeld

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Doch viele waren noch nie verschlossen

Immer wenn in Geisenfeld versucht wird, auf die ganz große Trommel zu hauen –z.B. nach dem Motto „landkreisweit einzigartig“ wissen wir bei Bürgersicht nicht, sollen wir nun lachen oder weinen?

Der seit der Amtsübernahme des derzeitigen Bürgermeisters um sich greifende Superlativismus kriecht in Geisenfeld bekanntlich aus jedem Gulli. Statt beschauliches Miteinander zu pflegen und zu fördern, werden die aufgesetztesten, an den fettigsten Haaren herbeigeschriebenen Superlative bedient, die selbst bei Bürgern echter Städte zu Brechreiz führen würde.

Geht jemand im Rathaus geradeaus, wird in der veröffentlichten Wahrnehmung seine Zielstrebigkeit gepriesen. Steht einer am Fenster wird seine Standhaftigkeit gelobt und die Geradlinigkeit wird hervorgehoben, sobald jemand mit einem Lineal eine Linie zu Papier brachte.

Weil in Geisenfeld Gestalten am Werk sind, für die diese Kleinstadt zu klein, zu eng, zu provinziell ist, muss in deren Wahrnehmung alles immer etwas größer, besser und einzigartiger sein als anderswo.

Da orientiert sich die „Unternehmer Runde Geisenfeld“(URG) mal schnell an der schwäbischen Metropole mit ihren „Augsburg open“, einem „Ankerprojekt“ der dortigen City Initiative.

Theater, Fußballstadion, TV- oder Radio-Studio, Brauerei oder Uni Mensa: Ein Blick hinter die sonst verschlossene Türen, unsichtbare Abläufe und sonst unzugängliche Kulissen ist bei den „Tagen der offenen Türen“ an 4 Tagen (und Nächten) im Jahr erwünscht.

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So etwas möchte die URG auch in Geisenfeld haben und nennt ihre eintägige Verkaufsförderungs- Aktion absichtsvoll doppeldeutig „Geisenfeld Unternehmen – Wir öffnen Türen“. Versprachen die Augsburger ihren Besuchern bei 300 Führungen “ Wir öffnen Ihnen die Türen“ werden es in Geisenfeld voraussichtlich nur 30 offene Türen werden. Und viele davon waren bisher nie verschlossen.(Zum Beispiel Vereine oder Feuerwehr konnten sich schon immer im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen -auch auf dem Stadtplatz- präsentieren)

Wenn nun im Rahmen dieser als Bürger-Service getarnten Marketingaktion einiger Geisenfelder Einzelhändler auch Gewerbebetriebe ihre Anliegen unterbringen (Belastung der Bürger mit unvermeidlichem Lkw-Verkehr, Ausbildungsbetriebe buhlen um Lehrlinge) trägt das zum besseren Miteinander bei.

Wirklich interessante Einblicke hat Geisenfeld aber nicht wirklich zu bieten. Ein TV-Studio muss erst noch eröffnet, eine Uni gegründet und die letzte Brauerei kann nur noch an Hand von Postkarten rekonstruiert werden. Und im Bürgerbüro Prospekte durchblättern? Nicht wirklich interessant.

Was soll man von dieser großspurigen Aktion einer „Unternehmer Runde“ halten, die nach eigenen Angaben auch an diesem 13. Juli bestrebt ist, das „Bürgerbewusstsein für die Vorteile des Einkaufens vor Ort zu stärken“, und trotz tätiger Hilfe von Polizei, Feuerwehr, Pfarrei und Vereinen nichts wirklich Interessantes stemmen kann.

Wie bei vielem in Geisenfeld, fühlt man sich auch hier als Bürger auf die Erkenntnis zurückgeworfen:

Man sollte es schon können, nicht nur können wollen!

Über Bernd Schuhböck

Nach den Maßstäben der Ära Willy Brandts politisch eher linksliberal. Wer ihn missverstehen möchte, nennt ihn einen Sozialromantiker. Wer ihn kennt, wertkonservativ und mit zu viel Ethos für einen Bayer. Der Mann für´s kommunale, soziale oder sonstwie politische. Oder für Themen, für die sich keiner fand, der sie aufgreifen wollte.

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