Umgehungsstraße- Der Staat bin ich

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Erst in den letzten 12 Zeilen des „Vermerks„ finden sich die -vermeintlich- wichtigen Angaben, aus denen der Bürgermeister in der Zeitung “ die klare Aussage“ ableitet, „dass wir den Zuschuss für die Nordspange auch so bekommen werden„.

Betrachtet man sich die letzten 12 Zeilen dieses „Besprechungsvermerks“ jedoch genauer, findet man dazu nur umgangssprachlich zu Missdeutendes wie „grundsätzlich„, „förderfähig„, “ und „aus heutiger Sicht wäre“ eine Förderung von 70% der zuwendungsfähigen Kosten „möglich„.

Lapidar ausgedrückt, findet sich darin nur eine Ansammlung des in der urbayerischen Entsprechung lautenden „Nix Gwiss woas ma ned„. (Für Zugereiste: Etwas genaues weiß man nicht)
Daraus nun, wie der Bürgermeister es suggeriert, die Gewissheit eines 70-prozentigen Zuschusses abzuleiten, oder noch schlimmer, eine jährlich, bayernweit zur Verfügung stehende Fördersumme von ca. 100 Millionen für derartige Sonderbaulastprogramme als Fakt darzustellen, ist, um in der Ausdrucksweise des Bürgermeisters zu bleiben, eine FRECHHEIT !

Der in „Fachsprache“ abgefasste Besprechungsvermerk erschließt sich erst, wenn man ihn einer „umgangssprachlichen“ Bewertung unterzieht.

Die Bewertung des Wortes „grundsätzlich“ sieht folgendermaßen aus: (nachzuschlagen bei Wikipedia)
Grundsätzlich bedeutet juristisch gesehen vom Grundsatz her in der Bedeutung von im Prinzip, in der Regel (Ausnahmen sind möglich), während es in der Umgangssprache eher in der Bedeutung immer, aus Prinzip (keine Ausnahmen) verwendet wird.

Die besondere Eigenschaft einer Fachsprache ist es, Wörter und Wendungen zu prägen, die nur von den Anwendern dieser Fachsprache verstanden werden. Daher wird allen Fachsprachen vorgeworfen, nicht verständlich für die Allgemeinheit zu sein.

Übrigens: Als Leser von „Bürgersicht“ sind sie sie jetzt schon besser informiert als so mancher Stadtrat zum Zeitpunkt der Abstimmung im Stadtrat.

Für die Stadträte war nach dem einführenden Vortrag des Bürgermeisters der Zeitpunkt gekommen, zum Schwur anzutreten und sich öffentlich zum „weiter so“ zu bekennen.

Über Bernd Schuhböck

Nicht nach heutigen, jedoch nach den Maßstäben der Ära Willy Brandt politisch eher linksliberal. Wer ihn missverstehen möchte, nennt ihn einen Sozialromantiker. Wer ihn kennt, wertkonservativ und mit zu viel Ethos für einen Bayer. Der Mann für´s kommunale, soziale oder sonstwie politische. Oder für Themen, für die sich keiner fand, der sie aufgreifen wollte.

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