Warum die CSU im Herbst in die Opposition sollte

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…. stand derweil in einer ruhigen Ecke des Plenarsaales, und redete auf eine neben ihm stehende Frau ein.

Es war Ilse Aigner, bis 18 Uhr eine der Hoffnungsträgerinnen der CSU, die Ude zu beruhigen versuchte. Trotz eingezogenem Kopf wirkte die ehemalige Verbraucherministerin neben Ude noch stämmiger als gewohnt. „Eine Partei, die Dobrindt als Generalsekretär hat, wäre eigentlich schon geschlagen genug„, versuchte Ude das CSU-Debakel gegenüber Aigner zu relativieren. Mehr als ein gequältes Lächeln vermochte er damit an diesem Abend bei Aigner nicht mehr auszulösen.

In einer anderen Ecke, eingekeilt zwischen Journalisten, Kameras und Mikrofonen steht Erwin Huber, ehemaliger CSU-Generalsekretär, ehemaliger Finanzminister, ehemaliger Parteichef und seit 34 Jahren im Bayerischen Landtag. Ihn hatten die Niederbayern an diesem Sonntag erneut als ihren Abgeordneten in den Landtag gewählt. Doch sein gutes Abschneiden konnte ihn nicht über das katastrophale Abschneiden „seiner“ CSU hinwegtrösten.

Mit zusammengekniffenen Augenbrauen und nach unten drängenden Mundwinkeln zeichnet Huber den Fahrplan des Niedergangs nach und benennt dessen Verursacher. „Seehofer wurde nie geliebt in der CSU. Doch hatten wir damals eine andere Wahl? Hätten wir eine gehabt, würden wir heute anders dastehen„.

Der „Mann aus Ingolstadt“ habe die CSU gegen die Wand gefahren, stellte Huber fest. „In den letzten Jahren sind doch alle Positionen, die die CSU bisher glaubwürdig vertreten habe, von ihm abgeräumt worden„. Sicher, unter Stoiber wurde zu viel gespart und in seine Amtszeit als Finanzminister krachte der Milliardenskandal der Bayerischen Landesbank. Seine Verantwortung dabei wolle er nicht wegschieben, „doch habe er in gutem Glauben gehandelt„. Nicht wie andere, mit Vorsatz. Der Glaube an die Unfehlbarkeit konservativer Finanz- und Wirtschaftspolitik war zwar dahin, doch die CSU konnte sich doch wieder berappeln.

Dann aber gab Seehofer Gas„, stellte Huber mit unüberhörbar angewiderten Tonfall fest. Vorbelastet durch eine private Affäre war er als Verteidiger konservativer Werte nur bedingt geeignet. Die „Seele“ trieb Seehofer der CSU aber vollends aus, als er im Wochentakt Positionen aufgab, die Tage vorher noch als unumstößlich galten. „Atomkraft, Wehrpflicht, Studiengebühren oder Donauausbau. Alles weg!“

Wer erst über die Kühltürme des Atomkraftwerkes bei Landshut fliegen musste, um die Gefährlichkeit von AKWs zu erkennen, „der musste sich doch fragen lassen, was er sonst noch vom Erdboden aus alles nicht sieht„, redete sich der Niederbayer seinen Frust von der Seele.

Im zunehmend urbaneren Bayern war die CSU eigentlich nur noch für trotzige Gestrige und Landeier wählbar. „Welches Bild haben wir denn unseren Stammwählern in letzter Zeit geboten„, stellte Huber eine eher rhetorisch gemeinte Frage an die Journalisten. „Die CSU ist doch durch Seehofers Kapriolen als Partei austauschbar geworden. Schlecht mit Geld umgehen, das könnten die anderen Parteien auch. Dem Wähler nach dem Mund reden? Welche Partei könnte das nicht! Alles immer besser wissen? Altkanzler Schmidt kann das besser!“ Eigene Minister und CSU-Granden öffentlich anrempeln? „Hätt ich fast vergessen„, entschuldigt sich Huber,“ das kann der Ingolstädter natürlich besser„.

Bevor Huber die Journalisten verließ, deutete er die Dramatik der folgenden Tage an. „Freuen sie sich doch. Die nächsten Tage und Wochen werden für sie sehr ergiebig werden. Die Nacht der langen Messer wird über den heutigen Tag hinaus lange andauern. Ich hab Söder schon schmutzeln hören„.

Seite 4 – Huber sollte recht behalten. Bereits am Dienstag…..

Über Bernd Schuhböck

Nicht nach heutigen, jedoch nach den Maßstäben der Ära Willy Brandt politisch eher linksliberal. Wer ihn missverstehen möchte, nennt ihn einen Sozialromantiker. Wer ihn kennt, wertkonservativ und mit zu viel Ethos für einen Bayer. Der Mann für´s kommunale, soziale oder sonstwie politische. Oder für Themen, für die sich keiner fand, der sie aufgreifen wollte.

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