Zwei Kriegsschiffe und ein Goldschatz

Das Copyright der Fotos liegt bei Wolfgang David/ Museum Manching u. Manfred Eberlein/ Archäologische Staatssammlung München. Bearbeitg. "Bürgersicht"

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Ein Gastartikel von Beate KREIS-NÜCKEN / Militäreinsätze, Flussboote und vergrabenes Gold, sind das nicht eher die Zutaten zu einem Abenteuerfilm? Was hat das alles mit einem Museum in unserer nächsten Umgebung, in Manching, zu tun?

Museen sind Orte, in denen alter Plunder ausgestellt wird. Jeder weiß, man muss Respekt haben vor dem Gerümpel, weil das irgendwie mit Kultur zu tun hat und weil keiner als Banause unangenehm auffallen will. Also besucht man pflichtschuldig das Museum und langweilt sich bei der Betrachtung von Scherben und verrostetem Metall. Wenn dann der Bildungsbürger das nötige Interesse gezeigt hat, dann lässt er es genug sein und kommt nie wieder.

Soweit das gängige Klischee.

Manching ist ein besonderer Ort

Jahrhunderte vor Christi Geburt gab es hier eine große, von einem Ringwall umschlossene Keltensiedlung. Die Archäologen nennen das ein Oppidum. Das Gebiet des Oppidums und das heutige Gemeindegebiet überlappen sich. Bisher wurden erst 7% der früheren Siedlungsfläche ausgegraben.

Zweihundert Jahre nach dem Niedergang der Keltenstadt errichteten die Römer ein Militärlager in Oberstimm mit ca. 600 Mann Besatzung. Auch aus dieser Zeit gibt es reichliche Funde.Die Idee zum Kelten und Römer Museum in Manching entstand, nachdem 1986 in Oberstimm zwei Römerschiffe aufgefunden wurden. Damals erhob auch die Stadt Ingolstadt einen Anspruch auf die Funde, von denen es in Mitteleuropa nur wenige Vergleichsstücke gibt. Nachdem die Schiffe geborgen und restauriert waren, wurden sie von der Staatsregierung der Gemeinde Manching zugesprochen. Damit war klar, dass ein Museumsbau entstehen musste.  (Seite dazu auf Wikipedia)

1999 wurde dann anlässlich einer Bebauung in Manching ein umfangreicher Goldschatz aus der Keltenzeit gefunden.

Museen stellen eine teure Art der Aufbewahrung von archäologischen Funden dar. Nachdem die Gegenstände ausgegraben und erforscht sind, könnte man sie in einem Depot viel preisgünstiger einlagern. Für die meisten Leute sind die Funde wenig interessant, werden viele insgeheim denken.

 

Ein sensationeller Schatz aus purem Gold

Der Goldschatz, der in der Nähe der Manchinger Feuerwehrwache gefunden wurde, ist offensichtlich vor ca. 2200 Jahren in der Erde versteckt worden, zu einer Zeit, als bereits der Niedergang der keltischen Kultur begonnen hatte. Es wurden 483 Goldmünzen und ein Goldklumpen gefunden. Sie weisen darauf hin, dass es schon damals genormte Zahlungsmittel gab. Es muss ein Handelsverkehr bestanden haben, der sich über große Teile Mitteleuropas erstreckte. Anscheinend waren die Zeiten unsicher, so dass der Besitzer das Gold vergraben musste. Die Archäologen werden möglicherweise noch Jahrzehnte brauchen, bis sie eine Vorstellung davon haben, warum die keltische Kultur in relativ kurzer Zeit in die Bedeutungslosigkeit versank. Falls es aber gelingt die Ursachen aufzuhellen, so lässt dies wertvollste Rückschlüsse auch auf unsere heutige Situation zu.

Was soll das, dass man derart viel Geld für ein Museum ausgibt, obwohl dann im Endeffekt immer nur dieselben längst bekannten Stücke zu sehen sind. Hätte man statt die halbverrotteten Planken der Römerschiffe zu zeigen nicht viel Geld für Trachtenvereine, Ausstellungen heimischer Künstler, Bauerntheater, Bürgerfeste etc. zur Verfügung gehabt?

Mit dem Museum bekam Manchig ein kulturelles Herz

 

Das “kelten römer museum manching” zeigt immer wieder Sonderausstellungen. Zuletzt wurden zum Beispiel die legendären Funde von La Tène in der Westschweiz gezeigt. (siehe dazu den Artikel auf “Bürgersicht”) Zu solchen Gelegenheiten kommen dann Museumsdirektoren und Archäologen aus ganz Europa zu Hunderten nach Manching. Dadurch befindet sich Manching auf Augenhöhe zu viel größeren Museen von bedeutenden Städten und Manching wird zu einem Zentrum der archäologischen Forschung. Insgesamt strömen jährlich ca. 20.000 Besucher ins Museum. Immerhin kommen sie in einen Ort, von dem man sonst annehmen könnte, er sei ein Weltzentrum des Tiefschlafs.

Was außer diesem Museum und der Flugzeugschmiede EADS könnte einen vernünftigen Menschen bewegen sonst Manching aufzusuchen? Das Manchinger Museum ist außerdem ein lebendiger Ort der Museumspädagogik und der experimentellen Archäologie. Hunderte von Besuchergruppen konnten die Handwerkskunst der Römer nachempfinden. Man kann zum Beispiel römische Glasperlen herstellen und mit nach Hause nehmen.

Demnächst im Museum:

Sonntag 16. Mai 2010 -Internationaler Museumstag 2010 unter dem Motto “Museen für ein gesellschaftliches Miteinander”

Vorschau: 04.06.2011 – 05.06.2011 – Museumsfest – 5 Jahre kelten römer museum manching (Bei Museumsfesten treten römische Soldaten, sogar ganze Reiterabteilungen auf.)

Die Manchinger Schiffe als Inspiration für die experimentelle Archäologie

 

Die beiden "Vorbilder" aus Oberstimm. (Copyright by museum manching-Foto Wolfgang David)Die Rekonstruktion der beiden Schiffwracks hat den Nachbau eines römischen Patrouillenboots von Geschichtswissenschaftlern der Universität Hamburg ermöglicht. Dieses Schiff, die Victoria besitzt ganz erstaunliche Eigenschaften. Es ist bis zu 13 km/h schnell, lässt sich über Flachwasser manövrieren und selbst Laien können es nach kurzer Einführung rudern.

Die “Victoria” im Überblick:

-Länge 16 Meter
-Höhe mit Mast 9 Meter
-Breite 2,80 Meter
-Tiefgang ca. 50 Zentimeter
-Gewicht ca. 4 Tonnen
-Längen-Breiten-Verhältnis 6:1
-Besatzung 22 inkl. Bootsführer und Steuermann

Link zum Artikel über den Nachbau

Link zu den Bildern und Videos über den Nachbau und die anschließenden Fahrten

Mit Schiffen wie der Victoria beherrschten die Römer die Donau und andere Flüsse. Sie konnten ihre Schiffstransporte absichern und blitzschnell Truppen und Material über weite Strecken befördern. Damals war die Donau noch ein wilder, sehr breiter Fluss, dessen Arme bis nach Oberstimm reichten. Dort im Schlamm blieben die beiden gefundenen Schiffe schließlich vor 1900 Jahren liegen bis sie 1986 entdeckt wurden.

Gemeinde Manching: Knausern oder Klotzen?

 

Die Manchinger haben also ein ganz außerordentliches Glück mit ihrem Museum. Es ist ein eleganter Bau und die ganz große Attraktion dieser Gemeinde. Dennoch scheint es Probleme zu geben. Man ist sich offenbar seines Glücks nicht ganz bewusst. So wird an den Kosten des Museums herumgemäkelt. Es besteht die Gefahr, dass zum Beispiel bei den Sonderausstellungen gespart werden könnte. „Um Gottes willen“ möchte man den Manchingern zurufen. Manching ist dank EADS eine der reichsten Gemeinden eines ohnehin reichen Landkreises. Gerade das Kelten und Römer Museum ist die herausragende Attraktion dieser Gemeinde. Statt zu knausern sollten die Manchinger ihr Museum offensiv nutzen und es zu ihrem Wohnzimmer machen. Man würde sich noch viel mehr Veranstaltungen wünschen: die Aufführung römischer Komödien, die Lesung römischer Liebesgedichte von Catull und Ovid , nachempfundene römische Gastmähler, Vorträge über das römische Steuerwesen im Vergleich zum heutigen Steuersystem, römisches Management, die Vorstellung römischer Philosophen und sehr viel mehr Workshops zum römischen und zum keltischen Handwerk.

Kultur in der Provinz, muss das sein wie ein ewiger Kindergeburtstag?

 

Müssen immer übereifrige Tantchen ohne jeden Sachverstand herumwursteln und kitschige dilettantische Ausschwitzungen präsentieren?

Dass es auch anders geht, dass in einer kleinen Gemeinde ein würdiger kultureller Ort entstehen kann, der auf Augenhöhe mit den Museen der Metropolen ist, das haben die Manchinger bewiesen.

Der Boden unter unseren Füßen ist heiß. Wir stehen buchstäblich auf unserer Vergangenheit. Die Erde unter uns lebt. Sie kann erzählen, wie alles begann, wie alles war, wer wir sind und was wir sein könnten. Man muss nur mit genügend Geduld und detektivischem Spürsinn in der Erde herumwühlen, dann kann man die unglaublichsten Entdeckungen machen. Gold und Schiffe zum Beispiel.

 

Anschrift

kelten römer museum manching, Im Erlet 2, 85077 Manching,  Tel. 08459 32373-0, Fax 08459 32373-29
E-Mail: info@museum-manching.de

Öffnungszeiten Frühjahr bis Herbst (01.02. bis 15.11.):

Montag: geschlossen – Di. bis Frei: 9.30 bis 16.30 – Samstag, Sonntag und Feiertag: 10.30 bis 17.30

Über Bernd Schuhböck

Nach den Maßstäben der Ära Willy Brandts politisch eher linksliberal. Wer ihn missverstehen möchte, nennt ihn einen Sozialromantiker. Wer ihn kennt, wertkonservativ und mit zu viel Ethos für einen Bayer. Der Mann für´s kommunale, soziale oder sonstwie politische. Oder für Themen, für die sich keiner fand, der sie aufgreifen wollte.

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