Münchsmünster – Wasser aus Hausbrunnen weiterhin mit Schadstoffen belastet

Problematik mit dem im Krebsverdacht stehenden „PFT“ seit Brand bei „Lyondell Basell“ nicht gelöst

Das Landratsamt hatte vor kurzem das Unternehmen Lyondell Basell, Gutachter, Fachbehörden und die Gemeinde Münchsmünster zum 3. Runden Tisch zur Bewältigung der „Perfluorierte Tensid“( PFT)-Problematik im Gemeindegebiet eingeladen. (PFT steht im Verdacht krebsauslösend zu sein)

Der Runde Tisch soll ein abgestimmtes Vorgehen der Beteiligten zu Fragen des Wasser- und Bodenschutzes, sowie des Schutzes der Gesundheit sicherstellen. Der Sanierungsfortschritt wird laufend überprüft. „Wir wollen, dass das Unternehmen Lyondell Basell und die zuständigen Behörden die PFT-Problematik gemeinsam angehen und Lyondell Basell aktiv und konstruktiv an der Lösung mitwirkt“ ,bewertet die Juristin Alexandra Schönauer, die in Vertretung von Landrat Martin Wolf den 3. Runden Tisch leitete, die Ergebnisse.

Beim Brandfall auf dem Betriebsgelände von Lyondell Basell im Dezember 2005 wurden damals zugelassene PFT-haltige Feuerlöschschäume eingesetzt. Durch den Einsatz und durch umgelagerten Boden gelangte PFT in Boden und Grundwasser. Bei einer Informationsveranstaltung im Mai 2015 in Münchsmünster wurde die Bevölkerung umfassend über den Sachstand und die nächsten Maßnahmen organisiert.
Wie der 3. Runde Tisch gezeigt hat, schreiten die Untersuchungen, Erkenntnisse und Maßnahmen stetig voran:

Bodenaustausch

Im Rahmen der Sofortmaßnahmen werden aktuell im Brandbereich ca. 15.000 Tonnen PFT-belasteten Bodens ausgehoben und entsorgt.
Untersuchung der Hausbrunnen
Grundstückseigentümer hatten nach dem 2. Runden Tisch im April und nach der Informationsveranstaltung, noch einmal die Gelegenheit, Brauchwasserbrunnen für die Beprobung zu melden.

Bei zwei von drei nachgemeldeten Hausbrunnen im südöstlichen Siedlungsbereich von Münchsmünster wurde eine Schwellenwertüberschreitung festgestellt. Die gemessenen Werte liegen unterhalb der Trinkwassermaßnahmenwerte für Erwachsene. Die Brunnen dienen auch nicht der Trinkwasserversorgung. Die Eigentümer wurden zwischenzeitlich informiert. Aus Vorsorgegründen wurde empfohlen, das Brauchwasser nicht zur Bewässerung von Nutzpflanzen zu verwenden.

Grundstückseigentümer insbesondere im Bereich der Schwaiger Straße und der Pfarrer-Nagel-Straße können bisher unbeprobte Brunnen bei der Gemeinde zur Untersuchung melden.
Im Herbst ist geplant, alle bereits untersuchten Hausbrunnen zur Erhebung von Vergleichswerten erneut zu beproben.

Untersuchungsergebnisse für die Ilm

Bei der Beprobung der Ilm wurden Werte für PFOS unterhalb des Grenzwertes PNECaquatisch (Grenze 0,05 µg/l für PFOS) festgestellt.
PNEC (= Predicted No Effect Concentration) bedeutet Konzentrationen, bei denen nach dem derzeitigen Kenntnisstand keine nachteiligen Effekte auf Gewässerorganismen auftreten. Die PNEC-Werte werden für mögliche Beeinträchtigungen aquatischer Lebensgemeinschaften herangezogen, die oft sehr empfindlich reagieren. Der sehr niedrige Wert für PFOS beruht auf den Untersuchungen des Landesamtes für Umwelt (LfU) an Regenbogenforellen.

Brauchwassermanagement

Das Brauchwassermanagement soll optimiert werden, d.h. PFT-belastetes Brauchwasser wird so aufbereitet, dass eine PFT-Verbreitung durch Verdampfung über die Kühltürme ausgeschlossen werden kann. Die technischen Grundlagen werde im Zuge der Anlagenrevision bei Betriebsstillstand im September/ Oktober 2015 geschaffen. Der Waldoberboden im Dürnbucher Forst wurde 2013 im prognostizierten Areal rasterförmig untersucht. PFT-Rückstände waren in sämtlichen Analyseergebnissen nicht nachweisbar. Eine wiederholende Untersuchung findet im Herbst 2015 statt. Dabei ist auch eine zusätzliche Beprobung im Einzugsgebiet der Trinkwasserbrunnen vorgesehen.

Weiteres Vorgehen

Die Maßnahmen werden von der Umweltabteilung des Landratsamtes Pfaffenhofen a.d.Ilm und dem Wasserwirtschaftsamt überwacht und begleitet. Dabei werden weitere Untersuchungen durchgeführt, deren Auswertung Anfang des Jahres 2016 stattfinden kann.

Der für das Frühjahr 2016 geplante 4. Runde Tisch wird sich dann mit einer weiteren Gefährdungsabschätzung und daraus abzuleitenden Maßnahmen auseinander setzen.

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