Die kommunalpolitische Sendung mit der Maus – SPD Glanzleistung am Vorabend der Wahl

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Sternstunden der kommunalen Bürgerinformation – PAF SPD streamte stilbildend 7 Stunden Wahlinfos

7 Stunden politische Aufklärung mit tiefen Einblicken in zum Teil nur Insidern bekannten Details aus der Pfaffenhofener Kommunalpolitik.

Moment, wie ist das gemeint“? „Was versteht man unter diesem Begriff“? „Kannst du das genauer erklären“? „Warum ist das so“? „Warum wird das nicht gemacht“? Wo liegen die Schwierigkeiten dabei“? „Wie hast du das erlebt“?

Fragen aus einer politischen Talkshow im deutschen Fernsehen? Nein. Am Samstag zwischen 16 Uhr und 23 Uhr stellten nicht Illner, Maischberger, Plasberg oder eine andere Fernsehnase die Fragen. Hauptsächlich war es Markus Käser, der in diesen 7 Stunden LIVE gestreamter außergewöhnlicher Wahlinformation im Internet seinen allesamt um ein Mandat bei der Kommunalwahl kämpfenden Gästen nicht nur diese Fragen stellte.

Bilder privat

Und während so mancher eventuell neben seinen gehamsterten Toilettenpapier und Nudel Vorräten von zuhause aus den Livestream verfolgte, konnte man in dieser Sendung live miterleben, wie eine nur Stunden zuvor von der Stadtratskandidatin Magdalena Stemmer mitgegründete „Corona- Nachbarschafts-Hilfe Pfaffenhofen“ stündlich Mitglieder generierte. (Stand 15.03.2020- 16 Uhr: 232 Mitglieder)

Sicher, in diesem Studio im Pfaffenhofener SPD-Büro kamen ausschließlich SPD-Kandidaten zu Wort. Im Wechsel mit dem 1. Bürgermeister Thomas Herker und Landratskandidat Andreas Herschmann begrüßte Käser am laufenden Band Stadtrats- Kreistags-Gemeinderats- und Bürgermeisterkandidaten der SPD im Studio.

Doch das schien kein Hinderungsgrund für Angehörige anderer Parteien zu sein, denn Käser konnte unter den mehreren Tausend Zusehern zwischendurch immer mal wieder sich zuschaltende Wettbewerber begrüßen, die auf seinem Kontrolllaptop mit Namen eingeblendet wurden. (Ich grüble immer noch warum sich auch Politiker aus Ingolstadt in den Stream einklinkten. „Dort macht sich Wechselstimmung breit“ vermutete Käser)

Im Verlauf der 7 Stunden trank man verständlicherweise viel von „dem gutem Pfaffenhofener Wasser“, zwischendrin ein Bierchen, aß Pizza und gegen Ende des Streams eine von der Grünen-Vorsitzenden vorbeigebrachte, liebevoll garnierte kleine Quiche.

Alles live vor laufenden Kameras, in gelöster Stimmung und eigentlich nur aus der Not geboren und schnell aus der Hüfte umgesetzt, weil man „wegen Corona“ keinen Wahlkampf mehr in der Öffentlichkeit machen wollte.

Und wo ist jetzt das außergewöhnliche daran?

Als Zuschauer durfte man etwas miterleben, was keine Wahlkampfveranstaltung oder Wahlbroschüre bieten konnte. Man erlebte am laufenden Band Kandidaten die ohne unterbrochen zu werden ihr Innerstes nach außen kehren konnten, meist tiefgehende Gründe für ihr kommunalpolitisches Engagement ausbreiteten und, sofern sie bereits ein Mandat bekleideten, so manches Stimmungsbild und manche Anekdote zur Arbeit im Kreistag, Stadt- oder Gemeinderat ausplauderten.

Herschmann und Herker beschrieben zum Beispiel die großen Linien, die Fallstricke und die dicken Bretter die man bohren muss, um zum Beispiel eine Gemeinwohl orientierte Energie- Boden- oder Baupolitik umsetzen zu können. Warum man Umgehungsstraßen nicht mal einfach so planen kann, warum man jetzt eine städtische Frischeküche plant, nachdem man ausschreibungstechnisch für die Gemeinschaftsverpflegung der Schulen, Kindergärten und Kitas an der Vermeidung von „Tiefkühlkost“ scheiterte, jedoch weiterhin nur frische, möglichst heimische Produkte für diese Essen präferiert. (Auch aus Wertschöpfungsgründen für den heimischen Landkreis)

Das waren nur einige der vielen Themen und Einblicke die einem in den 7 Stunden ohne überbordenden Blick durch die parteipolitische SPD-Brille als Zuschauer nahegebracht wurden. Das war großes, Kommunalpolitik transparent machendes Kino.

Aber was heißt hier „war“.

Herker tags drauf auf den Livestream angesprochen:

Es war uns ein wirkliches Vergnügen. Findet sicher Wiederholung“.

(Noch eine kleine Episode aus dem Lifestream. Gibt die im Studio vorherschende lockere Stimmung wieder: „Na klar werden die Leute jetzt sagen, der ist ja bei der SPD, der muss den ja mögen“ schickte sich 1. Bürgermeister Thomas Herker an, Landratskandidat Herschmanns Engagement zu würdigen. Wobei Käser leise einschob, dass man Herker das beileibe nicht bei allen örtlichen Genossen unterstellen dürfte)

 

Über Bernd Schuhböck

Nach den Maßstäben der Ära Willy Brandts politisch eher linksliberal. Wer ihn missverstehen möchte, nennt ihn einen Sozialromantiker. Wer ihn kennt, wertkonservativ und mit zu viel Ethos für einen Bayer. Der Mann für´s kommunale, soziale oder sonstwie politische. Oder für Themen, für die sich keiner fand, der sie aufgreifen wollte.

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