Essen im Seniorenheim fotografiert – Rausschmiss?

Lesezeit: 2 Minuten

Warum postet “Jürgen” sein Essen im Internet?  Weil es aussieht wie es aussieht!

In der Regel lacht man sich ja schlapp über Essensposter auf Facebook. Doch die subtile Aktion eines im Rollstuhl sitzenden Altenheimbewohners, die ihm dort servierten “Mahlzeiten” anonym und ohne Nennung des Heimes auf “facebook” zu posten, fand die Heimleitung gar nicht lustig.

Wie bekommt man Aufmerksamkeit für etwas, von dem man glaubt, dass es nicht so gut läuft? Die “sozialen” Netzwerke sind hier eine gute Möglichkeit. Besonders für “soziale” Anliegen.

Das dürfte sich auch “Jürgen”, ein 63-jähriger Frührentner und Bewohner einer “Residenz” gedacht haben, als er mit Hilfe einer Freundin auf der Facebook-Seite “Jürgen fotografiert sein Essen” die ihm vorgesetzten “Mahlzeiten” präsentierte. Anonym, ohne Nennung des Heimes und ohne Schuldzuweisungen.

Durch diese Internetseite konnte man sich plötzlich ein eigenes Bild davon machen, was unter dem Stichwort “Strukturproblem” in Senioreneinrichtungen gemeint sein könnte.

Nachdem die Seite auf großes Interesse traf und der erste Nachrichtensender sich ankündigte, stieß auch die Heimleitung darauf und identifizierte “Jürgen”.
Wie die “Nürnberger Nachrichten” berichteten “wurde Jürgen in einem Gespräch am Dienstag eröffnet: Er muss die Einrichtung in acht Wochen verlassen. Zudem “rate” man ihm, ab sofort nichts mehr über seine “persönliche Situation” im Internet zu verbreiten: keine Bilder, keine Kommentare.”

Die Heimleitung sah ihren Ruf ruiniert. Wie erwirbt man sich einen “Ruf”?

Durch Machen! Macht man etwas gut, zum Beispiel das Essen für Heimbewohner, dürfte man sich damit einen guten Ruf erworben haben. Klappt das mit dem Essen nicht so gut, naja, dann ist es mit dem Ruf auch nicht so toll. Als derjenige, der dieses Essen zubereitet, hat man sie also selber in der Hand, die Sache mit dem Ruf.

Noch Fragen? Aber sicher?

  • Rufschädigung durch anonym gehaltene Abbildung der Realität?
  • Werden Insassen eines Altenheimes beim Einzug automatisch entmündigt, denen man “raten” darf, nichts über ihre “persönliche Situation” im Internet zu verbreiten?
  • Wer kennt ein nettes Heim und einen guten Anwalt für Jürgen?
    (die Nürnberger Nachrichten nennen folgende Kontaktnummer: 0172/1483460)

Zwischenzeitlich bestreitet das Heim den Rauswurf.

Über Bernd Schuhböck

Nach den Maßstäben der Ära Willy Brandts politisch eher linksliberal. Wer ihn missverstehen möchte, nennt ihn einen Sozialromantiker. Wer ihn kennt, wertkonservativ und mit zu viel Ethos für einen Bayer. Der Mann für´s kommunale, soziale oder sonstwie politische. Oder für Themen, für die sich keiner fand, der sie aufgreifen wollte.

Lesen sie auch

Ehemaliger Schüler des Scheiner- Gymnasium Ingolstadt als Wikipedia Schmierfink enttarnt.

Geschädigte des „Schmierfinks“ stehen zur gerichtlichen Aufarbeitung in den Startlöchern