Pandemien und Orakel

Lesedauer 7 Minuten

Von Mathias Broeckers*

Sollten “Verschwörungstheoretiker” nicht langsam “Wahrsager” genannt werden, fragte unlängst ein Leser, nachdem sich einmal mehr eine “verschwörungstheoretische” Prognose über das angebliche “Killervirus” als zutreffend herausgestellt hatte. Nun gilt “Wahrsager” in unseren Zeiten ja nicht mehr als ehrenwerter Berufsstand, sondern als Synonym für Humbug und Hokuspokus, steckt also in derselben Schublade des Irrationalen, in die auch sämtliche “Verschwörungstheoretiker” gepackt werden. Also alle, die das offizielle Narrativ von der Menschheitsgefahr Covid und der einzigen Rettung durch das Sakrament der Impfung bezweifeln.

Sich mit einem Ablass Rettung vor der Hölle erkaufen zu können war im Mittelalter lange ein erfolgreiches Geschäftsmodell des Vatikans, bis die Zweifel an der Wirksamkeit auch von der Inquisition nicht mehr zu stoppen waren und zur Reformation führten. In einem solchen Religionskrieg befinden wir uns auch heute – Sachfragen sind in den Bereich von Glaubensfragen verschoben und wer letztere in Frage stellt wird als frevelhafter Ketzer exkommuniziert. Anders als vor 500 Jahren, als die Dogmen der Erlösung noch in Stein  gemeißelt waren und Gläubige wie Ungläubige wussten woran sie waren, sind die heute “ex cathedra” erlassenen Verkündigungen allerdings morgen schon wieder haltlos, wie zum Beispiel die Versprechen der in Deutschland für Glaubensfragen zuständigen Institution:

Während man sich im August also noch vor einer Ansteckung geschützt fühlen konnte,  schützte die Impfung Anfang September nur noch vor schwerem Verlauf  und dient seit Ende des Monats nur noch zur “Vorbeugung”. Da mittlerweile aber immer mehr Geimpfte an Covid erkranken – und zwar vor allem in Ländern mit hoher Impfquote – scheint es auch mit der Vorbeugung nicht allzuweit her zu sein. Warten wir also auf das nächste Update,  und darauf dass die “Verschwörungstheoretiker”, die gestern unbotmäßige Zweifel an der Impfung äußersten – etwa: “Umgerechnet auf die Zahl der Geimpften erhielt das Paul-Ehrlich-Institut in Zusammenhang mit den sogenannten Corona-Impfungen rund 54 mal mehr Todesfallmeldungen als in den 21 Jahren davor zu allen anderen Impfstoffen insgesamt.”   – morgen als “Wahrsager” bezeichnet werden müssen.

Ein Titel, den sich auch yours truly als Diplom-Konspirologe schon verdient hat, wenn man z.B. diesen Artikel aus dem März 2020 über die  desolate Datenbasis der Corona-Prognosen und der darauf begründeten Maßnahmen liest, an der sich auch nach 18 Monaten NICHTS geändert hat. Im Gegenteil: noch immer wird der ganze Zirkus mit Zahlenkonfetti über “Inzidenzen” am Laufen gehalten, die aber jetzt nichtssagender denn je geworden sind, weil Geimpfte  ja gar nicht mehr getestet werden, denn sonst, so der Gesundheitsminister, “hört die Pandemie nie auf”. Da hat er ausnahmesweise vollkommen Recht, weshalb wir wahrsagermäßig hier ja auch schon lange nicht mehr von “Pandemie”, sondern von  “Testemie” reden (die wie von Zauberhand sofort enden würde, wenn das Testen gestoppt wird) und verschwörungstheoretisch davor gewarnt haben, das Bill Gates(-Microsoft)-Geschäftsmodell regelmäßiger Updates auf das Gesundheitswesen zu übertragen (was jetzt mit der “Booster”-Propaganda schon massiv Gang gekommen ist.)

Nun war es ja auch schon in Delphi und anderen Wahrsager-Destinationen der Antike oft nicht  entscheidend, was gesagt wurde, sondern  – weil die Wahrsager*innen nicht immer Klartext redeten – wie diese Aussagen ausgelegt wurden. Nicht jedes Orakel hatte bei allen Autorität und selbst das weit anerkannte Orakel von Delphi stand bisweilen im Verdacht, von Opfergaben und Spenden korrumpiert zu sein. Diese Gefahr besteht bei diesem kleinen Wahrsager-Blog hier  sicher nicht,  aber gegen die großen Instanzen und ihre Orakelpriester anzukommen ist nahezu unmöglich, selbst wenn deren Ansagen so widersprüchlich sind wie die oben zitierten. Oder wie die Horror-Prognose der Pythia Dr.Drosten aus dem April 2020 – „Da werden wir (aus Afrika) Bilder sehen in der Zeit zwischen Juni und August, die wir nur aus Kinofilmen kennen. Da wird es Szenen geben, die wir uns so heute nicht vorstellen können.” –  den man aber als falschen Propheten nicht mit Schimpf und Schande aus dem Tempel gejagt hat, sondern munter weiter orakeln läßt. Jetzt, da die Zombiefilme  in Afrika ausgefallen sind, mit drohenden 100.000 Covid-Leichen in Deutschland.

Weil ich auf derart aktuelle Nachrichten schon lange kaum noch etwas gebe, aber auch nicht völlig uninformiert sterben will, würfele ich mir morgens oft ein Jahr in der Geschichte aus, zu dem ich dann die Tagesnachrichten suche. Neulich bin ich da im Jahr 430 vor Christus gelandet, mitten in der Pandemie von Athen und dagegen ist die derzeitige ja wirklich eine Lachnummer: innerhalb von zwei Jahren starb damals fast die Hälfte der Bevölkerung. Wogegen in Deutschland „mit“ Pandemie sogar weniger Menschen gestorben sind als in den Jahren vorher „ohne“. Was schwer zu erklären ist und wohl damit zu tun hat, dass die Griechen eine andere Definition von Pandemie verwendeten und nur dann davon sprachen, wenn wirklich viele krank wurden und starben. Sie hatten noch keine so genialen Testmöglichkeiten wie wir heute, die “Pandemien” ja schon erkennen, bevor überhaupt jemand krank geworden ist. Und  die – ein Novum in der Menschheitsgeschichte – “symptomlose Krankheiten” entdeckt haben, also pechschwarze “weisslose Schimmel”.

In Athen aber starben Kinder wie Greise innerhalb von wenigen Tagen nachdem sie erste Symptome gezeigt hatten. Als sich die Seuche vom Hafen Piräus in die Stadt ausgebreitet hatte, verordnete Regierungschef Perikles verschärfte Opfer an der Statue der Hygiea, der Tochter des Heilgottes Asklepios nach der unsere heutigen Hygieneverordnungen benannt sind – und die Opposition behauptete, dass der Erreger in die heimischen Brunnen infiltriert worden wäre, vom Feind in Sparta,  den man sofort angreifen müsse. Die „Spartaner-Seuche“ nahm also Donald Trumps Rede vom „Chinesen-Virus“ schon irgendwie vorweg. Als die Hygiea-Opfer und die Rituale der Asklepios-Priester  nichts halfen und irgendwann auch Perikles infiziert war und starb, holte sein Ziehsohn Alkibiades einen innovativen Heilpraktiker von der Insel Samos, Hippokrates, der mit seinen neuen Methoden aber auch nichts ausrichten konnte. Weil ihm aber aufgefallen war, dass im verräucherten Quartier der Schmiede, hinter dem Tempel des Hephaistos, wo ständig Feuer brannte, kaum jemand krank geworden war, vermutete er eine Übertragung durch die Luft und empfahl, überall in der Stadt große Feuer zu machen. Weil sich die „Pest“ in Athen allerdings, wie man heute weiß, höchstwahrscheinlich durch Typhus-Bakterien im Wasser verbreitet hatte, halfen auch diese Räucheraktionen nichts. Doch Hippokrates hatte quasi schon die „Aerosole“ entdeckt, vor denen sich heute viele derartig fürchten, dass sie die frische Luft nur mit Gesichtswindel genießen.

Das „Social Distancing“ nahm in Athen übrigens ziemlich üble Formen an, weil Erkrankte allein in ihren Häusern zurückgelassen wurden, was sich dann Räuber und Diebe zu Nutze machten, sodass manche Häuser schon leergeräumt waren, bevor die wehrlosen Besitzer den letzten Löffel abgeben mussten. Selbst Tiere und Aasfresser rührten Verstorbene nicht an, berichtet jedenfalls Thukydides, weshalb man auch auf die üblichen Beisetzungsrituale verzichtete und die Leichen mitten in der Stadt verbrannt werden mussten. Verglichen mit derlei apokalyptischem Schauspiel, das der Maler Michiel Sweerts  1653 auf seinem Bild  “Die Attische Seuche“ mit einigen attraktiven Grazien verzierte, wirkt die derzeitige Pandemie ja doch eher wie eine blasse Pantomime.

Nicht dass ich mir als “alter weißer Mann” aus meinem Logensessel hier mehr grausame Action wünschen würde, aber die Panik, die wegen Corona gemacht wird, scheint verglichen damit doch ziemlich übertrieben. Gegen die Rituale der Seuchen- und Schadensabwehr wie Maskenpflicht und Lockdown zu verstoßen, die zwar “wissenschaftlich” genannt werden,  in ihrer Wirksamkeit aber ebenso zweifelhaft sind wie  die “religiösen” Pandemie-Maßnahmen des Perikles, ist damals wie heute bei Strafe verboten. Athen waren wegen der Seuche seinerzeit übrigens ziemlich pleite und mussten den schon angezettelten Krieg gegen Sparta erstmal zurückstellen. Bei uns aber wurde der Etat der Bundeswehr trotz Pandemie weiter erhöht und der neue Imperator in Washington verkündete sofort  einen weiteren Rekordhaushalt für die Armee. Beruhigend eigentlich, denn wo knapp die Hälfte aller Staatsausgaben für Waffen und Söldnerheere ausgegeben werden können, kann keine wirkliche Not herrschen und keine lebensgefährliche Seuche…

Nachdem ich die fast 2.500 Jahre alten Breaking News aus Athen gecheckt hatte, konnten mich jedenfalls die Tabellen der Inzidenz-Liga, die jetzt jeden Tag abgedruckt werden, nicht mehr schrecken. Wenn das alles Leichen wären, ok, dann müsste man sich langsam Sorgen machen bzw. müsste es nicht mehr, weil man sich als alter Mann aus der Top-Risiko-Gruppe ja schon im Jenseits vergnügen dürfte, aber diese inzidenten „Infizierten“ sind ja nicht mal krank, geschweige denn tot und 95% kriegen von der “Inzidenz” nicht mal einen Schnupfen. Dass sie aber jetzt nicht mehr als Gesunde gelten, sondern als “symptomlos” Kranke, die eine Gefahr darstellen, dass es Gesunde eigentlich gar nicht mehr gibt, sondern nur noch Geimpfte und Ungeimpfte und letztere sich auf keinen Fall gesund fühlen dürfen, sondern nur als behandlungsbedürftige Kranke, die man notfalls zur “Gesundheit” zwingen muss… dies alles scheint von einer Willkür, wie sie sich die Athener nach Perikles selbst von den Dreißig Tyrannen nur acht Monate lang bieten liesen. Sie pfiffen auf alle (von Oligarchen bestochenen) Orakel und führten die Demokratie wieder ein.

(*) Dieser Text, erschien zuerst auf der Blogsite von Mathias Broeckers. Wir danken Herrn Broeckers für die Genehmigung zur Zweitveröffentlichung.

Vom Autor Mathias Bröckers erschienen u.a. die Bestseller Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9.“, „Wir sind -immer- die Guten – Ansichten eines Putinverstehers“ und „Freiheit für Julian Assange!-Don’t kill the messenger“. Sein neuestes Buch trägt den Titel „Klimalügner-Vom Ende des Kaputtalismus und der Zuvielisation“.

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