Welcher Deutsche „hasst“ denn wirklich Juden?

Lesedauer 2 Minuten

„Juden hassen? Das will in Deutschland natürlich niemand. Trotzdem tun es sehr viele“, beginnt ein Kolumnist auf Spiegel-online seine Kolumne. Und überschreibt seinen Kommentar mit „Wie man Hass enttarnt“.

Der Verfasser dieses als „Artikel zum Hören“ auf der Website eingestellten Textes ist mir herzlich egal. Doch sein „Enttarnen“, das im Hörstück mit einer sehr, sehr langen Aufzählung von vielerlei „*********** Antisemitismus“-Wortkombinationen begann, (Ich wäre nicht überrascht gewesen, wäre dabei auch eine Kombination „Weißwurstbasierter Antisemitismus“ aufgetaucht) im Weiteren das Aufgezählte mit „Antizionismus“ in einen Topf warf und sich dann lang und breit über den Gaza-Konflikt ausließ, war am Ende nur eine Nullnummer. Über das „Enttarnen“, oder gar etwas über die Ausprägung dieses, „von sehr vielen“ praktizierte „Juden hassen“ erfuhr man NICHTS. Bliebe noch Antisemitismus. Doch auch damit ist es nicht so einfach wie manche, auch der Kommentarverfasser es haben wollen.

Fazit: Sich diesen 11 Minuten dauernden Text anzuhören war absolut vertane Zeit.

Dabei hätte ich so gerne erfahren, wie man „Juden Hasser“ enttarnt.

Ich glaube nämlich nicht daran, dass, abgesehen von einigen grenzdebilen Zeitgenossen, heutzutage Deutsche ganz allgemein, geschweige denn „viele“, Juden wirklich „hassen“.

Wie käme man dazu, leidenschaftliche Abneigung oder bis zur Vernichtungsabsicht gehende Feindschaft zu entwickeln, wenn man von den 120.000 bis 150.000 in Deutschland lebenden Juden keinen einzigen explizit als Jude auftretenden Juden kennt oder war nimmt, da „jüdisches Leben“ offenbar nur im Familienkreis oder den jüdischen Gemeinden, jedoch selten bis gar nicht in der Öffentlichkeit stattfindet. (Mal überlegen: Könnten für die Zurückgezogenheit jüdischen Lebens auch Artikel/Kommentare zumindest mitverantwortlich sein, wenn darin, wie in dem oben geschilderten Hörstück auf Spiegel-online, die Rede davon ist, dass es in Deutschland „sehr viele“ gibt, die Juden „hassen?)

Welcher Jude wäre für einen Deutschen denn so bedrohlich, dass er ihn „hassen“ würde? Für mich schwer vorstellbar, dass es -wenn überhaupt- „sehr viele“, wie es der Text dieses Hörstücks insinuiert, in Deutschland geben würde. Mit dem semantischen Trick, „in Deutschland“ gäbe es „sehr viele“ Judenhasser, versucht der Verfasser in seinem Kommentar subsumierend Deutsche und migrantische Bewohner aus dem traditionell israelkritischen arabischen Raum über einen Kamm zu scheren. Milde ausgedrückt: Ein unstatthaftes Unterfangen!

Was ich mir allerdings vorstellen könnte, und hier handelt es sich um Empfindungen, die, angefangen bei Mitgliedern der Verwandtschaft, Nachbarn, Arbeits- oder Vereinskollegen und ganz allgemein im sozialen Umfeld zu findenden Personen, für die man eine mehr oder minder ausgeprägte Abneigung empfindet.

Aber HASS?

Warum möchte man uns Deutsche unbedingt in die Judenhasser Ecke stellen?

Sorry, aber ich kann diese substanzfrei und undifferenziert argumentierenden, jeden Maßstab bei der Verwendung von Begriffen vermissenlassenden Schreiberling schön länger nicht mehr ernst nehmen.

Über Bernd Schuhböck

Nicht nach heutigen, jedoch nach den Maßstäben der Ära Willy Brandt politisch eher linksliberal. Wer ihn missverstehen möchte, nennt ihn einen Sozialromantiker. Wer ihn kennt, wertkonservativ und mit zu viel Ethos für einen Bayer. Der Mann für´s kommunale, soziale oder sonstwie politische. Oder für Themen, für die sich keiner fand, der sie aufgreifen wollte.

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