Bild: LNG-Tanker/ Torbein Rønning / CC BY-NC-ND 2.0

Endlich. Amerika liefert uns jetzt „Freiheits Gas“!

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Statt Fracking Gas exportieren die USA nun „molecules of U.S. freedom“

Mit manipulativen Euphemismen, dem sprachlichen Mittel zur Beschönigung, Verschleierung oder Verfälschung meist negativer Sachverhalte gingen US-Administrationen schon seit jeher sehr verschwenderisch um.

Ob als Galionsfigur der „freien Welt“ („…. jener Gegend der Welt, von der wir so viel hören und so wenig sehen-Ignacio Ramonet, Herausgeber von Le Monde Diplomatique), als „Botschafter der Freiheit“ unter Einsatz „friedenserhaltender Maßnahmen“ (US-Vicepräsident Mike Pence) oder dem heute Russland geltenden seit Jahrzehnten andauernden Kampf „gegen die kommunistische Verschwörung, die friedliche Menschen verführe“ (John Edgar Hoover vor der National Commission im Januar 1969), Euphemismen gehören zu Nordamerikas DNA und „Way of Life“.

(Wie außerordentlich erfolgreich diese US-Marketingkommunikation wirkt, kann man nicht nur an diesen von deutschen Medien unreflektiert übernommenen US-induzierten Worthülsen ermessen, sondern auch an den kläglichen, in ihrer durchschaubaren Absicht nur lächerlich und dilettantisch wirkenden Versuchen der deutschen Familienministerin Franziska Giffey, neue Gesetze mit positiven Nebenbedeutungen wie „Gute-KiTa-Gesetz“ oder „Starke-Familien-Gesetz“ zu versehen)

Da aktuell der US-Amerikanische Kampf für die „Freiheit“ des venezolanischen Volkes etwas ins Stocken geriet, beziehungsweise die Behinderung der venezolanischen Ölgeschäfte noch nicht komplett vollzogen ist, wollte man wenigstens „Moleküle der US-Freiheit“ in die Welt exportieren.

Wenn man schon -wie das Energieministerium der Vereinigten Staaten Ende Mai bekanntgab-  die „Exportkapazität aus dem Freeport LNG-Terminal“ im texanischen Quintana Island ausbaut, und damit bis zu 3.000 neue Ingenieur-Arbeitsplätze schafft, sollte diese unter der Überschrift „Förderung das Engagement für Arbeitsplätze in den USA, Wirtschaftswachstum und saubere Energie“ laufende Aktion wenigstens für die Welt mit dem Label „Freedom“ versehen werden.

Und so schwang man sich in der Pressemeldung des „US-Department of Energy“ (DOE) zu euphemistischen Höhenflügen auf.

Dieser Ausbau ermögliche die „Verbreitung von Freiheitsgas in der ganzen Welt“, bedeute nicht nur „sauberere Luft hier und auf der ganzen Welt“ (US-Energieminister Mark W. Menezes) und sei somit der „Export von Molekülen der amerikanischen Freiheit in die Welt“. (Und stelle „den amerikanischen Verbündeten eine vielfältige und erschwingliche Quelle für saubere Energie zur Verfügung“ so die DOE)

Bild: Freedom Fries auf Speisekarte in einer Cafeteria des US-Repräsentantenhauses (CC BY-SA 3.0 – Urheber unbekannt)

Wow! Diese „Verkaufe“ des unter Inkaufnahme von Umweltrisiken gewonnenen Fracking-Gas erinnert stark an die dümmliche Aktion des US-Repräsentantenhauses anlässlich der Weigerung Frankreichs sich am letzten Irak Krieg zu beteiligen, und man daraufhin die „French Fries“ in den Kantinen des Repräsentantenhauses in „Freedom Fries“ umbenannte.

Zumindest in Deutschland werden es die „Moleküle der amerikanischen Freiheit“ nicht nur wegen mangelnder Konkurrenzfähigkeit absehbar etwas schwerer haben sich zu verbreiten.

Fordert doch ein „Klimabündnis gegen LNG“ auf der Grundlage eines Rechtsgutachtens den „sofortigen Stopp geplanter Terminals“ für Fracking-Gas aus den USA an der Nordseeküste. Sicherheitsbedenken und mangelnde Zukunftsfähigkeit sprächen gegen den Bau dieser Terminals.

Dabei wäre es so schön gewesen. Mit dem „Freiheits Gas“ hätte man endlich marketingtechnisch mit „den Russen“ gleichziehen können, die ja seit 1964 mit der „Freundschafts-Pipelin“ (Družba) u. A. Deutschland mit Erdöl versorgen.

Das die jetzt nach „Nordsteam 1“ auch noch durch „Nordstream 2“, so ganz ohne Euphemismus Gedöns, zuverlässig Gas zu einem besseren Preis liefern, das lässt ja den hegemonialen „Botschafter der Freiheit“  schon länger über Sanktionen zum Schutz unserer „Freien Welt“ nachdenken.

Apropos nachdenken: Über welchen zündenden Namen wird wohl unser Innenminister Horst Seehofer derzeit nachdenken, wenn er demnächst deutschen Geheimdiensten per Gesetz die Möglichkeit gibt, Medien im In- und Ausland digital ausspionieren zu können? Eventuell könnte ihm Familienministerin Franziska Giffey weiter helfen.     

Sie würde es wohl „Gutes Journalist:innen BackOffice- Gesetz“ nennen.

 

Über Bernd Schuhböck

Nach den Maßstäben der Ära Willy Brandts politisch eher linksliberal. Wer ihn missverstehen möchte, nennt ihn einen Sozialromantiker. Wer ihn kennt, wertkonservativ und mit zu viel Ethos für einen Bayer. Der Mann für´s kommunale, soziale oder sonstwie politische. Oder für Themen, für die sich keiner fand, der sie aufgreifen wollte.

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