EU-Wahl – Die „Braun“-Fantasien bewegter Bürger

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Auf Instagram findet man einen Clip, in dem mehr oder weniger bekannte Gesichter zur EU-Wahl aufrufen, indem sie sich die Zähne putzen. „Wählen ist wie Zähneputzen – machst du’s nicht, wird’s braun„, lautet die Botschaft. (Die mit einem gut gemachten, internationalisierten Video auch in Österreich aufgegriffen wurde)

Der Claim, ein Recycling aus einer breiten Parteienallianz anlässlich der Wahl des Oberbürgermeisters in Cottbus vor zwei Jahren stammend, wurde für die EU-Wahl konzertiert reaktiviert, mit einem Lied von zwei Spaßvögeln aufgepeppt und von Lisa Neubauer prominent im Spiegel in einem Podcast promotet. Selbstverständlich findet man das Lied zusammen mit einer hampelnden Neubauer in einem eigenen Video auch im Internet.

Es hätte alles so schon laufen können für die Zähne putzenden Demokratieverteidiger und allen die es ihnen mit einem eigenen Video gleichtun wollten. („Nehmt unser Lied und verwendet es dafür“ boten die singenden Spaßvögel an) 

Doch leider kam ihnen Annalena Baerbock mit einer eigen Hygiene-Metapher dazwischen. Bei ihr musste es nicht nur „braun“ werden, sondern auch stinken. Sie verglich wählen gehen mit Wäschewaschen. Dazu erklärte sie umständlich und ihrer eigenen Logik gemäß, welche Vorzüge verschiedene Waschmitteln hätten, und man nicht, nur weil man eventuell kein geeignetes finden würde, aufs waschen der Wäsche verzichten sollte. Denn, und jetzt gings an schwurbeln, „dann wird’s dreckig und dann stinkts. Und wen wir nicht wählen gehen, dann stinkt es. Dann sind andere da, und dann wird’s braun“.

Mal abgesehen von der stark ideologisierten, verbogenen politischen Farbenlehre, (in Deutschland gibt es keine zugelassenen „braunen“ Parteien) dürften sich Smartphon besitzende Sympathisanten vergleichbarer Aktionen nun fragen, wie drück Ichs nun aus.

Soll ich mich mit dem Smartphone nun vor die Waschmaschine knien, oder mir -wie viele Promis im Instagram-Video- mit meiner elektrischen Zahnbürste im Mund rumfahren? Eventuell, und das wäre doch unschlagbar demokratisch, Zähne putzend vor der Waschmaschine knien.

Oder, da diese mäßig lustigen Hygiene-Aktionen einfach nicht so richtig zünden wollen, es einfach den „Hansemädels“ gleichtun, und wie sie, ohne Metaphern zu bemühen, klipp und klar „Alle Nazis raus“ singen.

Doch damit wärt ihr leider um viele Jahrzehnte zu spät dran. Da müsstet ihr euch in die Zeit des ersten Bundeskanzlers Adenauer zurückbeamen lassen. Diese Nazis, von denen es damals noch sehr, sehr viele sogar im Staatsdienst gab, und von denen ihr nun glaubt, sie müssten raus aus Deutschland, sind bereits draußen. Besser gesagt unter der Erde. Und die, die es aktuell wieder gibt, laufen in Banderistan rum. In einem Land, das -noch nicht- zur EU gehört und dessen Bewohner -zumindest bei dieser EU-Wahl- noch nicht wählen dürfen!  

Sich auch mit Aktionen für die Grundprinzipien unserer Demokratie einzusetzen ist aller Ehren wert. Es mit einem gewissen Bildungshintergrund zu tun, würde die Sache perfektionieren.

Über Bernd Schuhböck

Nicht nach heutigen, jedoch nach den Maßstäben der Ära Willy Brandt politisch eher linksliberal. Wer ihn missverstehen möchte, nennt ihn einen Sozialromantiker. Wer ihn kennt, wertkonservativ und mit zu viel Ethos für einen Bayer. Der Mann für´s kommunale, soziale oder sonstwie politische. Oder für Themen, für die sich keiner fand, der sie aufgreifen wollte.

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