Plötzlich rassistisch – Das Wort „Schwarzfahren“ gründlich missverstanden.

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Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) entfernt alles auf dem das Wort „Schwarzfahren“ steht.

2012 berichtete die Münchner Abendzeitung (AZ) über einen Stadtrat der Linken, der die umgangssprachliche Bezeichnung „Schwarzfahrer“ für Menschen, die kein Ticket haben als rassistisch bezeichnet, „da sie die Hautfarbe bestimmter Menschen in einen negativen Kontext stellt“.

Die MVG reagierte lt. AZ „gelassen darauf“ und vermeldete ihr sei „nicht bekannt, dass die Bezeichnung Schwarzfahrer, die im Übrigen weder von uns stammt noch ausschließlich von uns genutzt wird, einen rassistischen Hintergrund hätte

Das scheint sich nun, nach etlichen Anti Diskriminierungs („Diversity“) Programmen ins Gegenteil verkehrt zu haben.

Nach Berlin entfernt nun auch München alle Hinweise aus ihren Verkehrsgesellschaften auf denen das Wort „Schwarzfahren“ zu lesen sei.  Verkauft wird dieses Aufräumen als “Maßnahme für eine zeitgemäßere Kommunikation“. Das einzig „zeitgemäße“ an dieser euphemistischen Umschreibung einer Entsorgungsaktion ist die Angst vor Rassismusvorwürfen.

Vergessen die unzähligen Erklärungsversuche von Linguisten die nicht müde wurden darauf hinzuweisen, das der Begriff „Schwarzfahren“ nichts mit Rassismus, sondern mit der Ableitung aus dem Jiddischen “shvarts”, dem Begriff für Armut zu tun habe. Der Begriff umfasse ausschließlich sogenannte „Armutsfahrer“ (die sich kein Ticket leisten könnten) und biete somit keinerlei Bezug zur Diskriminierung Dunkelhäutiger.

Wie kann es als Rassismus verstanden werden, wenn die Bezeichnung/Selbstbezeichnung  „Schwarz“ von/für „Menschen afrikanischer und afro-diasporischer Herkunft, schwarzen Menschen, Menschen dunkler Hautfarbe nicht als Hautfarben, sondern als soziale und politische Konstruktionen in einem globalen Machtgefüge zu verstehen sei“. (Stiftung für Kulturelle Weiterbildung und Kulturberatung)

Man darf vermuten bei den Verkehrsbetrieben der Münchner MVG und der Berliner BVG kennt man all diese Erklärungen. Und doch, und das ist die Krux an der Sache mit dem „zeitgemäß“, selbst den dümmsten nicht zutreffenden Vorwürfen aus den Reihen „denkschwacher Empörialisten“ (Lisa Fitz) begegnet man heutzutage lieber konfliktscheu nachgiebig.

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Vergleichbares auch aus Wien

Wie viel Rassismus steckt im Begriff „Schwarzfahrer“? Der Schwarzfahrer verschwindet, der Schwarzkappler bleibt. Ein Begriff für Fahrgäste ohne gültiges Ticket sorgt für Diskussionen.

Über Bernd Schuhböck

Nicht nach heutigen, jedoch nach den Maßstäben der Ära Willy Brandt politisch eher linksliberal. Wer ihn missverstehen möchte, nennt ihn einen Sozialromantiker. Wer ihn kennt, wertkonservativ und mit zu viel Ethos für einen Bayer. Der Mann für´s kommunale, soziale oder sonstwie politische. Oder für Themen, für die sich keiner fand, der sie aufgreifen wollte.

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