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Roderich Kiesewetter – Wie gut, dass die Vorsehung uns schützte.

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Ein Mann, in dessen dunklen Gehirnwindungen ich nicht wohnen möchte.

Bei Bier, Ochs am Spieß und Musik feierte man im Juli die Heimattage im Baden-Württembergischen Elwangen. Doch alles hat einmal ein Ende und so wurden bei Ausschankschluss gegen 1:30 Uhr die in einer Weinstube noch verbliebenen Gäste von Sicherheitskräften aufgefordert, die Stube zu verlassen. Das soll von einem der Gäste, seinen eigenen Worten zufolge hatte dieser da bereits zu viel Alkohol getrunken, mit den Worten, sie „seien ja schlimmer als KZ-Wächter“ quittiert worden sein.

Tags drauf entschuldigte sich dieser Gast gegenüber dem Chef der Sicherheitskräfte, nicht ohne gegenüber der Heimatzeitung zu betonen, dass er sich zwar nicht mehr an seine genauen Worte erinnern konnte, aber er wisse, dass es nicht gut war. Da die Entschuldigung angenommen wurde, sei der Fall, so der Gast der diese „dumme Aussage“ tätigte, für ihn erledigt.

Der Gast, regelmäßigen Talkshow-Zuschauern hinlänglich bekannt, war der Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter, CDU-Außenpolitikexperte und Oberst a. D. der Bundeswehr.

Ein Mann, der sich zwar des genauen Wortlauts gegenüber dem Sicherheitspersonal nicht mehr erinnern konnte, offensichtlich jedoch aber wusste, „dass es nicht gut war, was da war.“ Er konnte sich also vorstellen, dass da im Suff auch Nazi-Vergleiche aus den dunkleren Ecken seiner Gehirnwindungen ans Licht dringen könnten.

Doch Kiesewetter kann sein Publikum auch ganz ohne Alkohol mit dunklen Vorstellungen überraschen, indem er auch im nüchternen Zustand meist einen Schritt zu weit geht. So russophobt er sich von Talkshow zu Talkshow, von Interview zu interview und erweckt bei vielen den Eindruck, alte, verlorene Schlachten gegen Russland in einer Neuauflage militärischer Auseinandersetzung endlich gewinnen zu wollen. „Russland muss verlieren lernen“. Koste es uns, was es wolle.

Da Russland jedoch bisher nicht bereit ist, ihm diesen Gefallen zu tun, und es auch nicht den Anschein hat, das in seinem Politikerleben eine Niederlage Russlands zu erwarten wäre, hüpft er weiter zum nächsten Krisenherd und entdeckt die deutsche Staatsräson gegenüber Israel.

Staatsräson, ein nach den Worten des NachDenkSeiten Herausgebers Albrecht Müller „ein schwülstiger und blödsinniger Begriff“, soll irgendwie die besondere Verantwortung Deutschlands gegenüber Israel ausdrücken. Diese besondere Verantwortung leitet sich aus dem grauenhaften Völkermord an den europäischen Juden ab, der im Dritten Reich im deutschen Namen geschah. Deutschland wird sich immer und jederzeit für die Existenz und die Sicherheit Israels einsetzen.

Das dieses „die Sicherheit Israels ist deutsche Staatsräson“ nach vereinzelt geführten salbungsvollen Reden nie wirklich hinterfragt, ausbuchstabiert oder auch nur irgendwie verbindlich definiert wurde, bereitet größtmöglichen Definitionsspielraum beim nun erneut ausgebrochenen Nahostkonflikt durch den Blitzkrieg der Hamas im Gazastreifen gegen Israel.

Auftritt Kiesewetter. Natürlich mit dem einen Schritt zu viel. Für ihn bedeute diese deutsche Staatsräsondas wir bereit sind, mit unserem Leben die Sicherheit Israels zu verteidigen“.

Wenn man sich jetzt noch erinnert, dass dieser Mann mal als deutscher Verteidigungsminister gehandelt wurde, kann man sich nur bei der Vorsehung bedanken, die das verhinderte.

Über Bernd Schuhböck

Nicht nach heutigen, jedoch nach den Maßstäben der Ära Willy Brandt politisch eher linksliberal. Wer ihn missverstehen möchte, nennt ihn einen Sozialromantiker. Wer ihn kennt, wertkonservativ und mit zu viel Ethos für einen Bayer. Der Mann für´s kommunale, soziale oder sonstwie politische. Oder für Themen, für die sich keiner fand, der sie aufgreifen wollte.

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