„Talking Heads“- Die deutsche Regierung ist cleverer als es den Anschein hat

Lesedauer 2 Minuten

Der fiese Trick der Selbst-Stigmatisierung wenn man wg. 2G keinen Friseur aufsuchen darf

In Bayern, Sachsen, Niedersachsen oder Berlin gelten sie bereits. Andere Bundesländer werden folgen und die 2G-Regel auch für den Besuch im „Haarstudio“ verordnen.

Dadurch wird sich das öffentliche Leben mit vielerlei Personen anreichern, deren Erscheinungsbild sich erheblich vom gewohnten unterscheiden wird, und nur mit sehr viel guten Willen mit „gewollt individueller Haarschnitt“ oder als Statement der Authentizität zu interpretieren wäre.

Es ist bekannt, dass der Mensch automatisch vieles mitdenkt wenn er einer Person begegnet. Wir weisen dieser Person in allenfalls 100 Millisekunden spontan etwas zu, was selten richtig aber lange prägend für unsere Sichtweise auf diesen Menschen sein wird.

Ein vogelnestartiges, struppiges oder in Fehlfarben fransig vom Kopf hängendes Haupthaar dürften zum Beispiel beim Betrachter starke Emotionen oder auch Abscheu hervorrufende Empfindungen freisetzen.

Sehen sie sich das Titelbild an. Was denken sie wenn sie den Struwwelpeter ansehen? Und vor allen: Was denken sie dabei mit?

Denken sie eventuell DAS ?

(Klicken sie auf das Bild)

Und das alles wegen einer 2G-Regel die verlangt, dass man entweder Geimpft oder Genesen sein muss um eine „körpernahe Dienstleistung“ zu bekommen. Eine Regel, die die Beibringung eines „ich bin gar nicht infiziert“-Tests ausschließt, und dem nicht unbeträchtlichen Teil der ungeimpften Bundesbürger die „soziale Pflicht“ unmissverständlich nahelegt, sich endlich gegen Corona impfen zu lassen.

Denn man dürfe, so der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler „denen, die sich nicht impfen lassen, wirklich nicht die Chance geben, die Impfung zu umgehen, indem sie sich freitesten lassen“.

Polarisierung, steigende Aggressivität und lange überwunden geglaubtes Denunziantentum schreien förmlich danach, den guten, den folgsamen Bürgern mit der 2G-Regel ein gut sichtbares Erkennungsmerkmal für die bösen, unfolgsamen Gemeinwohlignoranten zu offenbaren.

Um die „bösen“ Mitbürger zu stigmatisieren, denen man ja nicht ansieht ob sie „Freitester“, Geimpfte oder Genesene sind, braucht es neben 2G keine gesonderte staatliche Anordnung, keine an der Kleidung gut sichtbar zu tragende Kennzeichnung. Die Ungeinpften stigmatisieren sich durch den Zustand ihres Haupthaares selbst.

Die häufigste Art der Haushalte in Deutschland sind Einpersonenhaushalte. Da nicht jeder von ihnen einen elektrischen Haarschneider im Haus oder einen „Edward mit den Scherenhänden“ in seinem Freundeskreis haben dürfte, kann man im Monatsverlauf an ihren „Talking Heads“ unschwer den Impfstatus ablesen. Und vermutlich dauert es auch nicht lange, und sie sehen nicht mehr den Ungeimpften sondern nur noch den Verwahrlosten in ihrem Mitbürger.

Ein Blick in das „Lexikon der Psychologie“ mag den nächsten gesellschaftlichen Eskalationsschritt verdeutlichen:

Stigma, diskreditierendes Kennzeichen oder Merkmal, das sich der Aufmerksamkeit aufdrängt und bewirken kann, dass wir uns bei der Begegnung von der Person abwenden“.

Ist das die Zukunft unserer Gesellschaft?

Über Bernd Schuhböck

Nicht nach heutigen, jedoch nach den Maßstäben der Ära Willy Brandt politisch eher linksliberal. Wer ihn missverstehen möchte, nennt ihn einen Sozialromantiker. Wer ihn kennt, wertkonservativ und mit zu viel Ethos für einen Bayer. Der Mann für´s kommunale, soziale oder sonstwie politische. Oder für Themen, für die sich keiner fand, der sie aufgreifen wollte.

Check Also

Krise und drohende Unbezahlbarkeit des Lebens – Vortrag u. Diskussion im Festsaal Rathaus Pfaffenhofen

14. Oktober, 19:30 Uhr mit MdB Klaus Ernst, Vorsitzender des Bundestagsausschuss für Klimaschutz und Energie