Tote ehren nicht – Gedanken zum Muttertag

Lesedauer 2 Minuten

Ausgehend von der US-amerikanischen Frauenbewegung hat sich in der westlichen Welt ein Tag für Mütter, der „Muttertag“ etabliert. Neben der betont unpolitischen Kommerzialisierung, vorbildlich ab 1922 vom „Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber“ (WIKI) betrieben, wurde das Ursprungsbemühen, einen Tag zu Ehren der Mütter und der Mutterschaft festzusetzen, in den USA von der Frauenbewegung als „Mütter-Friedenstag-Initiative“ propagiert. Der „Peace and motherhood day“ hatte das politische Ziel, Söhne sollten nicht mehr auf den Schlachtfeldern des Krieges geopfert werden.

Was ist daraus geworden?

Wie viele Mütter haben seit Beginn dieser „Mütter-Friedenstag-Initiative“ im Jahre 1870 vergeblich auf ihre Söhne gewartet?

Ganze Heerscharen an Müttern standen hinter ihren Gardinen und warteten darauf, dass die Söhne zu ihnen nach Hause kamen. Nicht nur am Muttertag. Aber an diesem Tag besonders erwartungsfroh. Nein, sie kamen nicht. Sie lagen zerfetzt, verstümmelt oder verblutet unter irgendwelchen Trümmern, auf irgendeinem Schlachtfeld tod im Dreck.

Wer kann sie noch zählen, die Tränen von Millionen Müttern, über die Millionen toter Söhne die ihnen die unzähligen Kriege genommen haben?

Doch wer denkt heute daran, wenn er zu Ehren seiner Mutter am Muttertag mit einem Blumenstrauß oder einer Pralinenpackung mit Herzchen drauf vor Mutters Tür steht, was dieser Tag, dieser einstmals als „Mütter-Friedenstag“ angedachte Ehrentag, eigentlich bewirken sollte?

Eventuell ändert sich das mit diesem kleinen Schwenk zum Abschluss. Ein Blick auf aktuell politisches Denken in Deutschland. Deutschland solle die Wehrpflicht wieder aufleben lassen, aufrüsten und endlich „kriegstüchtig“ werden. Bei alledem spielen Söhne mit Blumensträußen oder Pralinen keine Rolle. Gefragt sind Söhne die diese Kriegstüchtigkeit solange mit Leben füllen, bis ihnen ihr Leben auf dem Schlachtfeld genommen wird. Innerhalb, oder nach den Vorstellungen einiger Kriegstreiber, auch außerhalb Deutschlands.

Also, ihr Söhne. Erfreut euch -nicht nur am Muttertag- an euren Müttern und ihrer Freude über euer Dasein.  

Über Bernd Schuhböck

Nicht nach heutigen, jedoch nach den Maßstäben der Ära Willy Brandt politisch eher linksliberal. Wer ihn missverstehen möchte, nennt ihn einen Sozialromantiker. Wer ihn kennt, wertkonservativ und mit zu viel Ethos für einen Bayer. Der Mann für´s kommunale, soziale oder sonstwie politische. Oder für Themen, für die sich keiner fand, der sie aufgreifen wollte.

Schon gelesen?

Warum soll Fleisch teurer werden?

Geht’s wirklich nur um das Wohl der Tiere, oder steckt mehr dahinter?