Wie dunkel soll es denn noch werden wenn es jetzt schon so duster ist.

Lesedauer 5 Minuten

„Die Hölle ist leer, alle Teufel sind hier!“ (William Shakespeare: Der Sturm)

Als Adonis würde ich heute nicht mehr durchgehen. Nicht nur mein Bauchansatz würde das verdeutlichen. Bin also nicht mehr so gut erhalten wie etliche Jahre (Jahrzehnte) zuvor. Doch was solls. Hauptsache gesund!.

Gesund?

Woraus schließe ich das?

Aus zweierlei.

Zum einen fühle ich mich gesund da ich keinerlei Beschwerden habe. (Während ich das schreibe zwickt mich nicht mal mein Kreuz, wie sonst manchmal, wenn ich zulange Buchstaben auf meiner Tastatur in eine sinnvolle, auch für mein Schreibprogramm verständliche Reihung bringen möchte)

Zum anderen bestätigte mir das ein umfangreicher, aktuell durch ein Labor durchgeführter und bestätigter makelloser Bluttest.

Doch warum klopfe ich mir hier öffentlich auf die Schulter? Freue dich doch über deinen Zustand und halte ansonsten die Klappe!

Würde ich ja gerne. Wenn da nicht der Staat seit geraumer Zeit im Zusammenhang mit dem Corona-Virus eine gänzlich andere Auffassung von Gesundheit hätte.

Werde als Gesunder, also als nicht an Covid erkrankter erst mal krank, dann bestätigen wir dir dass du gesund bist. Mit Zertifikat und allem Drum und Dran.

Fordert mein Staat doch von seinen gesunden, offiziell nach Abzug aller Infektionszahlen nicht an Covid erkrankten Bürgern, immerhin aktuell 99 Prozent seiner Einwohner, sich fürs erste ungesund zu fühlen. (Der Link führt zum Artikel eines „Faktenchecker“, dessen einerseits überspezifisches, andererseits verschwurbeltes Abwedeln dieser Prozentzahl sie besonders augenfällig macht)

Da das schwer zu vermitteln ist, setzt er per Verordnungen, Gesetzen und sich staatstragend gebenden Medien die Daumschrauben in Form von „seid ihr nicht willig, versauen wir euch durch Grundrechtseinschränkungen, Restriktionen, Repressionen und mit Hilfe nur allzu gern denunzierender Mitbürger den Alltag“.

Mein Staat wünscht sich also von mir, mich über den Umweg unerwünschter Reaktionen durch Mehrfachimpfungen mit Fieber, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Schwindelgefühle oder Muskelschmerzen in einen ungesunden Zustand zu bringen, mir eventuell eine Thrombose oder einen allergischen Schock wie eine Herzrhythmusstörung oder auch Kreislaufversagen einzufangen. Hätte ich das dann alles überstanden, würde mein Staat mir endlich glauben und mir meine Gesundheit bestätigen.

Jetzt dürfte ich wieder all das machen, tun oder genießen was ich auch schon früher als noch nicht staatlich zertifizierter Gesunder durfte.

Da sitze ich nun und mache mir Vorwürfe.

Nein, nicht weil ich mir von meinem Staat partout keine Krankheit einreden oder verordnen lassen möchte. Ich mache mir Vorwürfe, weil ich früher einfach nur mein Leben genießen wollte ohne mir große Gedanken über das staatliche Drumherum gemacht zu haben. Der Staat war einfach da, und das, was die da an den Schalthebeln der staatlichen Macht so veranstalteten, hatte ich nicht besonders beachtet. Die würden schon alles richtig machen. Schließlich leben wir ja in einer Demokratie! Was kann da schon schiefgehen.

Das war ein Fehler wie ich heute schmerzlich feststellen muss. Ein Fehler, den vermutlich nicht ich, sondern meine Enkel ausbaden müssen. Opa, warum hast du uns immer von den Vorzügen einer Demokratie erzählt aber nicht beizeiten auf diese Demokratie aufgepasst?

Eine berechtigte und zugleich für mich peinliche Frage.

Wann fing das an? Diese Unaufmerksamkeit, dieses einfach laufen lassen.

Steckt das als Deutscher womöglich in meiner DNA?

Hatten sich nicht schon in der Zeit des „Tausendjährigen Reichs“ unsere Eltern oder Großeltern zumindest als Mitläufer erwiesen, als sie den sich diktatorisch gebärdenden Staat einfach gewähren ließen?

Warum muckten sie auch nach 1945 nicht auf, als aus den Ruinen des Deutschen Reiches die demokratisch verfasste Bundesrepublik entstand, in deren Regierungsstellen, Verwaltungen, Gerichten und Schulen aber trotz aller vorrangegangener Nazigräuel sich Heerscharen von Nazis in Amt und Würden befanden.

Warum ist trotz der damals im täglichen Leben sichtbaren eineinhalb Millionen staatlich anerkannter Kriegsversehrter in Deutschland keiner der Regierung in den Arm gefallen, als diese die Wiederbewaffnung Deutschlands anstrebte, schlussendlich durchsetzt und sich –gegen den erklärten Willen der Mehrheit seiner Bürger– in der Folge erneut auf den Weg machte um „die Russen da zu treffen wo es weh tut“.  

Warum ließen wir es den Parteien durchgehen, ihre parteiintern besten Speichellecker auf sichere Listenplätzte bei Wahlen zu hieven, sie damit trotz womöglich zweifelhafter Charaktereigenschaften oder auch offensichtlich ungenügender fachlicher Eignung ministrabel erscheinen zu lassen, um sie danach bei allfälligem Proporzgeschacher in höchste Staatsämter befördern zu können?  

Warum gab es selbst dann kein Aufmucken gegen Regierungshandeln, als zur Jahrtausendwende erste Studien nachwiesen, das Regierungshandeln eher die Anliegen einkommensstarker, als die Bevölkerungsmehrheit der einkommensschwächeren Bürger berücksichtigt. (Studie aus den USA – Studie aus Deutschland)

Sowohl die US-Studie als auch die von der deutschen Regierung selbst in Auftrag gegebene Studie stellten fest: Je mehr der Mittelstand oder die Einkommensschwächeren für etwas sind, desto eher ist die Regierung dagegen.

Eigentlich nicht verwunderlich, dass über die Hälfte der Deutschen (53,4 %) wenig bis überhaupt nicht „mit dem Funktionieren der Demokratie“ zufrieden sind.

Wie sich schon früher, also nicht erst seit Feststellung der mit Restriktionen gepflasterten „pandemischen Lage von nationaler Tragweite“ zeigte, haben wir in Deutschland ein Abbildungsdefizit des Volkswillens im Repräsentationsprinzip.

Diese Demokratie, in seinen Grundfesten ohne Zweifel immer noch vorhanden, genügt schon seit geraumer Zeit nicht mehr den Legitimitätsansprüchen seiner Bürger.

Kritiker dieses Zustands sprechen von Schein- oder Elitendemokratie. Selbst darauf reagieren wir oftmals nur noch apathisch. Also holen wir uns jetzt weitgehend widerspruchslos auch als Gesunde mindestens zwei durch Zertifikat bescheinigte Pickse in den Oberarm ab, gelten fortan als wirklich gesund und freuen uns über das staatliche Versprechen, das bald wieder alles gut werden wird. Und antworten unseren Enkeln auf die Frage nach dem „warum“ in der Tradition unserer Eltern und Großeltern: „Was hätten wir denn dagegen tun können“.

___________________________________

Meine Freunde vom „Voralpenländischen Verfassungs Dienst“ haben mir mitgeteilt, dass ich mit diesem Artikel nur um Haaresbreite an einer Beobachtung des Berliner Verfassungsschutzes vorbei schrammen würde. Dort habe man sich jetzt die neue Beobachtungsaufgabe „schüren politischer Entfremdung“ ausgedacht.

Als ersten Beobachtungsfall habe sich die Berliner Dienststelle unseres Inlandsgeheimdienstes jetzt den offensichtlich unliebsamen Journalisten Ken Jebsen mit seiner Medienplattform “KenFM” ausgeguckt. (Dort würden Desinformation und Verschwörungsmythen verbreitet) Da dieses Vorgehen jetzt in den unabhängigen Medien hohe, ja sehr hohe Wellen schlägt, veröffentlichen wir hier auf Bürgersicht eine Betrachtung von Jens Berger dazu (Mit Dank an die NachDenkSeiten von deren Seite der Artikel übernommen werden durfte)

Ich bin nachträglich doch etwas erschrocken als ich merkte, dass die oben im Artikel aufgezeigte, weit fortgeschrittene Entfremdung meines Staates gegenüber seinen Bürgern vom Berliner Verfassungsschutz erneut eine Eskalationsstufe weiter getrieben wird.

Hier der Link zur Reaktion von Jens Berger. “Die rote Linie ist überschritten

Über Bernd Schuhböck

Nicht nach heutigen, jedoch nach den Maßstäben der Ära Willy Brandt politisch eher linksliberal. Wer ihn missverstehen möchte, nennt ihn einen Sozialromantiker. Wer ihn kennt, wertkonservativ und mit zu viel Ethos für einen Bayer. Der Mann für´s kommunale, soziale oder sonstwie politische. Oder für Themen, für die sich keiner fand, der sie aufgreifen wollte.

Check Also

Auf da Brennsuppn dahergschwumma – Baerbocks Buch „Jetzt“- Audio-Rezension auf bayerisch

Die „Bavarian Version“ als Audio-Podcast der Buchrezension „Gewogen und für zu leicht befunden“ von Jens Berger