Alles gelogen? Medienmagazin “ZAPP” beleuchtet die eigene Branche.

Die Glaubwürdigkeit des Journalismus hat gelitten. Eine Analyse zeigt warum.

„Die Medien“ haben ein Glaubwürdigkeitsproblem. Wer könnte das nicht unterschreiben? Das Medienmagazin „ZAPP“ des öffentlich-rechtlichen „NDR“ analysierte nun diese Einschätzung und kam zu dem Schluss: Ja, dieser Befund ist ernst zu nehmen.

Präsentiert von der eben zur „Journalistin des Jahres 2015“ ausgezeichneten Leiterin der Abteilung Innenpolitik beim Norddeutschen, Anja Reschke, ging man der, zum Beispiel von ZDF-Moderatorin Dunja Hayali im Beitrag aufgeworfenen “Gretchenfrage” nach: Wie können Medien Vertrauen zurückgewinnen?

Flüchtlingskrise, Ukraineberichterstattung und die Darstellung von sozial Abgehängten. Diesen drei Themenfeldern mit besonders ausgeprägter Medienskepsis widmete sich die Zapp-Redaktion.

In der Flüchtlingskrise gab es nur strammes Ja oder Nein. Die Zweifler kamen in den Medien nicht vor.

Am 26. August 2015 vertrat Bundespräsident Joachim Gauck die Auffassung, die Stimmung im Land verdeutliche in der Flüchtlingskrise die Zweiteilung Deutschlands in einen hellen und einem dunklen Teil. Auf der einen Seite die Willkommenskultur und auf der anderen die brennenden Asylbewerberheime.

Der überwiegende Teil der deutschen Berichterstattung folgte bereitwillig dieser Einteilung. Und ignorierte dabei, so die Zapp-Analyse, einen eigentlich nicht zu übersehenden Bevölkerungsteil von rund 24 Millionen. In der Flüchtlingsfrage gab es zwischen Befürwortern und Gegnern auch noch die „Zweifler“.

Bereits im August antworteten 37 Prozent der Befragten auf die Frage: Kann Deutschland die vielen Flüchtlinge verkraften? mit “Nein, kann es nicht”. Diese Menschen fanden sich in der Berichterstattung zu diesem Zeitpunkt kaum wieder.

Meinung gehört zum Journalismus. Problematisch wird es, wenn nicht nur in einzelnen Medien, sondern in der gesamten Berichterstattung eine Meinung stark überwiegt, während ein großer Teil der Bevölkerung eine andere hat“.

Bei der Frage nach der Glaubwürdigkeit kam neben zahlreichen deutschen Chefredakteuren auch der Nachrichtenchef des dänischen öffentlich-rechtlichen Senders „DR“, Ulrik Haagerup zu Wort. (Nach ZAPP Angaben der glaubwürdigste Sender in Dänemark)

Seine Redaktionen würden heute stärker auf Ausgewogenheit achten, nachdem man selbstkritisch feststellte, „ja, wir sind einseitig.““.
Haagerup findet zum Beispiel die Berichterstattung über die Flüchtlingskrise in den deutschen Medien zu pädagogisch: “Die deutschen Medien haben den Menschen nicht die bestmögliche Version der Wahrheit präsentiert, so wie sie es tun sollten. Sie haben ein Bild gezeigt, wie sie es sich als Journalisten, als Elite für die Gesellschaft wünschen. Es ist nicht verboten Angst zu haben, wenn tausende Flüchtlinge aus fremden Kulturen zu uns kommen“. Diese Ängste sollten in den Medien auch abbildet werden.

Man „fühle sich als Bürger und politisch denkender Mensch nicht ernst genommen“ sagt Matthias Kohring, Kommunikationswissenschaftler der Uni Mannheim in dieser ZAPP-Sendung vom 17. Februar, „wenn ich als Leser das Gefühl habe, der Journalist will mich in eine bestimmte Richtung lenken, indem man beispielsweise sagt ‚Wir haben eine Willkommenskultur zu haben und jeder der anders denkt, gehört in die hässliche Ecke Deutschlands“.

Aus welcher Ecke und wie sachlich Medien zukünftig berichten oder kommentieren werden bleibt auch nach dieser um Sachlichkeit und Transparenz bemühten ZAPP-Analyse besonderer Aufmerksamkeit vorbehalten.

Bürgersicht berichtete bereits im Dezember 2014 über die erste, anlässlich der Ukrainekrise von „ZAPP“ in Auftrag gegebene Umfrage zum Vertrauen in deutsche Medien.

Der Vertrauensbefund war damals so erschreckend (63% wenig bis gar kein Vertrauen), das wir am Ende des Artikels (nach einem Hinweis auf die von zu vielen amerikanischen Medien im Zuge ihrer Pro-Irakkriegs-Haltung leichtfertig verbreiteten „Propagandalügen“ und den erst nach den Kampfhandlungen einsetzenden Entschuldigungsbeteuerungen) die Frage stellten, ob „ sich deutsche Medien demnächst für ihre Ukraine-Russland-Berichterstattung entschuldigen müssen?

Die Einlassungen der im ZAPP-Bericht gezeigten Chefredakteure deuten noch nicht auf eine Entschuldigung, günstigstenfalls auf eine zaghafte Justierung des eigenen, elitären Betrachtungswinkels hin.

So richtig verstanden scheint man die großen Graubereiche zwischen den hell/dunkel-Phasen außerhalb der Redaktionsstuben in der Welt da draußen noch nicht zu haben.

Über Bernd Schuhböck

Nach den Maßstäben der Ära Willy Brandts politisch eher linksliberal. Wer ihn missverstehen möchte, nennt ihn einen Sozialromantiker. Wer ihn kennt, wertkonservativ und mit zu viel Ethos für einen Bayer. Der Mann für´s kommunale, soziale oder sonstwie politische. Oder für Themen, für die sich keiner fand, der sie aufgreifen wollte.

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