Das verlorene Geisenfelder Stadtwappen

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Eine Faschingssatire von Till Eulenspiegel, Student an der Filmakademie München

Dass man das Stadtwappen als Hoheitszeichen der Stadt nicht für seine eigenen Zwecke als Privatperson verwenden darf, das dürfte hinreichend bekannt sein. Doch unter dem Regime von Bürgermeister Staudter sind schon viele erstaunliche Dinge passiert. Meistens waren es Possen und lustige Schwänke um wundersame Protokolle, hinausgeworfene Stadträte, Blumentröge und lustig verzierte Brücken, verwunschene Sonnenschirme, Kämpfe gegen Google-Windräder oder Bocksgesänge um des Bürgermeisters Sancho Pansa, Günter Böhm.

Weil nun eben Fasching ist und weil die Narren ohnehin das Rathaus beherrschen, kam es dazu, dass die Geisenfelder Faschingsgesellschaft (GFG) einen Antrag an den Rat der Stadt stellte.
Man wollte das Wappen der Stadt auf dem Briefkopf und für „das Internet“ nutzen.

Zwar hat die GFG das schon lange so gehalten, aber nun in der Narrenzeit, die auch gleichzeitig die Wahlkampfzeit ist, wollte man sich eben offiziell mit der Stadt verbinden. Eine Art Narrenhochzeit sollte gefeiert werden, wenn man so will. Da trifft es sich gut, dass Bürgermeister Staudter ein rechter Narrenfreund ist und dass er schon so manches launige Grußwort für die Geisenfelder Faschingsnarren zum Besten gegeben hat.

Natürlich die Fachleute stören schon wieder

Da es im Leben aber immer Störenfriede geben muss, war auch bei dieser Angelegenheit nicht alles eitel Sonnenschein. Die Störer waren die Fachleute von der Verwaltung. Die fanden eine private Verwendung des Hoheitszeichens der Stadt nicht so gut und sie warnten vor einem allfälligen Missbrauch.

So sah das auch der Bürgermeisterkandidat Erich Erl: „Wenn wir hier ja sagen, dann müssen wir das auch bei den anderen Vereinen und deshalb würde ich damit erst gar nicht anfangen.“

Unter der etwas närrisch gestimmten Führung des Bürgermeisters wurde der Antrag positiv abgestimmt. Nun dürfen die Faschingsnarren mit dem Stadtwappen ihre Scherze treiben, sind sie doch „ein wichtiger Kulturträger der Stadt“.

Wie wahr, wie wahr. Angesichts der derzeitigen kulturellen Situation tragen wohl viele Narren zur städtischen Kultur bei.

Aber wie gesagt, es gibt im Narrenparadies immer Spielverderber. Zum Beispiel in Form der anderen Vereine, von denen immerhin 74 auf der Städtischen Homepage gelistet sind.

Als besonders unverfroren erwies sich der Sängerverein.

Hat doch dieser impertinente Verein zeitgleich mit der GFG einen Antrag eingebracht, und ebenfalls eine Nutzung des Stadtwappens begehrt.
Eine Frechheit! um es mit den Worten des Bürgermeisters Staudter auszudrücken. Bodenlos! wollen wir hinzufügen. Wissen die Sänger denn nicht, dass eine Vorturnerin der Faschingsgesellschaft, die Chefin der Kindergarde, sich auf der USB-Liste Christian Staudters ca. auf Platz 17 befindet? (Grund der Streichung siehe hier)

Und? Was haben die Sänger vorzuweisen? Können sie auch nachweisen, dass sie Freunde des Bürgermeisters sind, wie zum Beispiel die Freunde vom Modellsportclub?
Unverschämt, diese Sänger! Kein Wunder, dass ihr Antrag zurück gestellt wurde.

Nein und nochmals nein. Die Sänger sind keine Kulturträger, weil sie keine Freunde des Bürgermeisters sind.

Unverschämtheit. Ist das jetzt deutlich genug gesagt?
Immerhin besteht die Gefahr, dass die Sänger Spottlieder auf den hohen Herrn Staudter singen und dass sie das Stadtwappen neben Spottversen auf Handzetteln im Faschingszug verteilen. Eventuell sind solch Aktionen auch noch humorvoll. Das muss verhindert werden!

Zurück zum Stadtrat Erl. Leider hat er Recht. Was man dem einen Verein gewährt, das muss man allen Vereinen gewähren. Dazu gibt es- juristisch gesprochen- das Gleichheitsgebot.

So ein Pech aber auch. Nun dürfen alle Vereine das Stadtwappen verwenden.

Das Wappen ist in diesem Bauernschwank praktisch für die Stadt verloren gegangen. Jeder Verein kann das Recht auf Nutzung des Stadtwappens kinderleicht einklagen und die Stadt zahlt jedes Mal die Anwalts- und Gerichtskosten. Na das ist doch ein super Geschäftsmodell für die ansässigen Juristen. Wenn das keine Wirtschaftsförderung nach Art der USB ist?

Die Bürger dürfen weiterhin gespannt sein, wie lächelnd und leicht Bürgermeister Staudter noch anstehende juristische Fragen nimmt. Wird man zum Beispiel auch viel Belustigung erleben, wenn die Gegner der Nordwest-Trasse enteignet werden sollen?

Vielleicht können die Kulturträger von der GFG ja mit ihren Tänzchen zur Erheiterung bei den diversen Verwaltungsgerichten beitragen?
Fröhlichkeit ist doch die schönste Sache der Welt und dieser Bürgermeister sorgt wirklich dafür, dass in Geisenfeld viel gelacht werden kann.

Natürlich auch beim diesjährigen Faschingsumzug in Geisenfeld, denn
Jetzt könnt auch ihr das Narrenwappen
auf eure Karren pappen

Über Gebhard Gessler

Politisch und weltanschaulich eher undogmatisch. Der Fels in der Brandung und „eierlegende Wollmilchsau“ der Redaktion. Als CvD 24 Stunden vor dem Schirm, haut jedem auf die Finger, bearbeitet i.d.R. alle Pressemeldungen und verantwortet die Grafiken aus der Generation Praktikum.

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