Ein Hofnarr für den Bürgermeister

Eine Gastbeobachtung von Beate Kreis-Nücken

Erstaunlich. Es ist ein Wunder. Geisenfeld muss ungeheuer bekannt sein. Da liest einer aus Windischeschenbach aus seinen Büchern vor. Dennoch kennt er sich bestens aus mit der Geisenfelder Lokalpolitik und gibt perfekt die Meinung des Bürgermeisters und seiner Anhänger zum Besten. Wie konnte dieses Wunder geschehen?

Ein Herr namens Norbert Neugir aus der Oberpfalz wollte nicht mehr im Büro arbeiten. „Wer Arbeit nicht so gern verrichtet, der setzt sich lieber hin und dichtet“, schrieb er und seit dieser bahnbrechenden Erkenntnis hat er den Job als Bürokaufmann geschmissen, um sich fortan anderweitig durchzuschlagen. Mit einer als Feuerwehrkapelle getarnten Bläsergruppe aus dem gehobenen Amateurbereich, mit Theaterauftritten, Fastnachtsreden, mit Moderationen im volkstümlichen Segment.

Bücher schreibt er auch, die dann „Was ich so denk“, „Worte, Reim und Bücherleim“, und „Ansichten und schlichte, nicht vernichtende Gedichte“ heißen. Wobei die Frage noch zu klären sein wird, ob diese Gedichtlein wirklich immer so harmlos und wenig vernichtend sein und bleiben können.

Wer im Metier des Norbert Neugirg unterwegs ist, der muss sich schon einmal das Gesicht mit Ruß einschmieren und die Zähne schwärzen um sich dem Publikum anzudienen.
Von August zu August, das ist die unausgesprochene Übereinkunft. Darum auch die betonte Harmlosigkeit.
Wer in dieser Verkleidung auf die Bühne tritt, der legt sich nicht an mit den Mächtigen, der arrangiert sich.

Der nette Herr Neugirg hat es schwer. Irgendwie muss er seine Familie ernähren und das, was er zusammendichtet, muss auf Gedeih und Verderb den Auftraggebern gefallen.

Kulturpolitik nach hochherrschaftlicher Art

Die sonderbaren Zufälle der Geisenfelder Kulturpolitik haben nun dazu geführt, dass der gefällige Herr Neugirg in der Aula der Geisenfelder Hauptschule aus seinen netten Büchlein vorlesen durfte. Ob da die Geisenfelder Kulturreferentin Henriette Staudter, von Spöttern auch Kulturella genannt, ihre Hand im Spiel hatte, wer weiß?
Der Brachialhumor von Gstanzlsängern, Fachingsrednern und Verserlschmieden braucht seine lokalen Zuträger damit er funktioniert. Somit darf man nun raten, wer dem Humoristen die Worte auf die Zunge gelegt hat.

Vor Jahrhunderten gab es eine Instanz, mit der die Mächtigen ihre Botschaften verdeckt unter das Volk bringen konnten. Das war der Hofnarr. Heute kauft man sich einen professionellen Entertainer. Bürgermeister Staudter, dem eine verhängnisvolle Nähe zum Mittelalter nachgesagt wird, scheint sich an diese alten Praktiken erinnert zu haben.
Da der Bürgermeister den Verkehr in dieser Stadt offenbar nicht ertragen kann, plappert der engagierte Hofnarr folgende Verse:
Oh Geisenfeld, du Stadt der Straßen, der Kreuzungen und Abgasblasen….
Wie sinnig. Aus der Sicht des Bürgermeisters! Als ob es in anderen Städten keine oder weniger Kreuzungen gäbe, als ob in Zeiten von Katalysator und Dieselfilter irgendwo Abgasblasen wabern würden. Als ob der Verkehr andernorts nicht fünfmal intensiver wäre.

Aber ein rechter Singvogel singt halt das, was im Sinn des Auftraggebers ist.

Herr Neugirg erwähnt wie die Stadt bei Mission Olympic 10.000 Euro gewonnen hat. Das hat man dem Herrn Neugirg gesteckt. Nicht gesteckt hat man dem Herrn Neugirg, dass die Stadt ca. 50.000 Euro in diesen sonderbaren Erfolg geschustert und damit per Saldo 40.000 Euro Miese gemacht hat.

Am Ende die Entgleisung in die Schmuddelpolitik

Ganz zwanglos bekommt Herr Neugirg dann die Kurve zur Umgehungsstraße hin.
Aber ab hier wird es anrüchig. Die Umgehungsstraße könne nicht gebaut werden,

weil bei den Bauern-Millionären,

denen Land und Feld gehören,

ein Quadratmeter noch günstig kalkuliert-

5000 Euro kosten wird“.

Wie bitte? Die Landwirte, denen eher eine Enteignung droht, werden hier verspottet?
Es ist bekannt, dass skrupellose Kreise immer schon die Leute, die sie entrechten, betrügen und enteignen wollten, vorher schlecht geredet haben. So wird der Bauer schnell zum gierigen Millionär, der Kaufmann mit der anderen Religion zum kinderfressenden Monster. Neugirg unterstellt den Landwirten zügellose Gier indem er sich einer besonderen und verleumderischen Logik bedient. Wenn die Landwirte ihren gesamten Grund zu den horrenden Preisen verkaufen würden, die Neugirg aus der Luft greift, dann wären sie Millionäre.

Unterschlagen wird bei dieser rabulistischen Luftnummer, dass die Landwirte gar nicht verkaufen wollen und dass man ihnen nur fünf und nicht fünftausend Euro für den Quadratmeter bezahlen will. Stattdessen will man mit diesem unanständigen Gedankenspiel die moralische Rechtfertigung für eine eventuelle Enteignung vorbereiten.

Das alles hat der „nicht vernichtende Gedichte“ schreibende Norbert Neugirg sicher nicht so gewollt, gewusst und gemeint. Oder doch? Die Zuträger eines bestellten und bezahlten Hofnarren jedenfalls haben aber schon gewusst, was sie taten.

Ein verunglücktes Eigenlob zum Bewegungspark

Wie durch ein weiteres Wunder hat Herr Neugirg auch von dem berühmten Bewegungspark erfahren. Man mag staunen, wenn er von dem angeblichen Wunsch in der Stadt schwadroniert, diesen Park „Staudter-Gedächtnis-Park“ zu nennen.
War doch zu vermuten, dass der Bürgermeister als Drahtzieher hinter diesem Park steckt. Anscheinend wollte er sich von Neugirg dafür loben lassen. Den Auftrag überschreitend bringt Neugirg hier „Bürgersicht“ ins Spiel. „Bürgersicht“ würde auf Christian-Staudter-Stolpergarten“ plädieren.

Das war von dem Kabarettisten irgendwie prophetisch. Denn niemand konnte an diesem Samstag wissen, dass der zuvor gefloppte Festakt im Bewegungspark am Montag in der Heimatzeitung verrissen würde. Mit der Schlagzeile „Von der Mär zum Flop“ berichtete die Zeitung überraschend unzweideutig, und im Widerspruch zur gewohnten Lobhudelei um einen profanen Kinderspielplatz, vom mäßigen Publikumszuspruch. (Bürgersichtleser konnten sich bereits seit Freitag darauf einstellen: Die Attraktion, ein Kletterfelsen, fehlte wegen Transportschadens)

Das „Stolper“-Etikett, das der unfreiwillige Prophet aus der Oberplatz dem Bürgermeister anheftete, klebt dank der negativen Berichterstattung nun besonders fest.

Bestellte Selbstbeweihräucherungen sollte der Bürgermeister zukünftig vermeiden. Denn …..
…. Hofnarren sind auch nicht mehr das, was sie vor Jahrhunderten noch waren.

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