Fukushima Supergau Ereignishorizont -T 2

In der Nacht zum Montag beschäftigte sich der erste Teil „Fukushima kommt atomares Armageddon?“ mit der Entwicklung im Kraftwerk, wie es dabei war, jeglicher Kontrolle zu entgleiten. Hier der schrecklichen Prophezeiung zweiter, wenn auch unsicherer Teil.

Während die Betreibergesellschaft Tepco, “Japans lügnerischer Energieriese (so der “Stern”) nur zögerlich und chaotisch informierte, pflegte die japanische Regierung permanent abzuwiegeln. Auch die versammelte Weltpresse reagierte weitgehend kopflos. Randthemen wie die Tsunamifolgen wurden geschwätzig ausgebreitet und penetrant wird die stoische Ruhe der betroffenen Bevölkerung gelobt. Als ob die Gelassenheit von Lämmern auf dem Weg zur Schlachtbank eine hervorzuhebende Eigenschaft wäre.

Inzwischen gilt als gesichert, dass im Kraftwerkskomplex drei weitere schwere Explosionen stattgefunden haben, und dass die im Block 4 gelagerten Brennstäbe in Brand geraten waren.

Ebenso darf von einer begonnenen Kernschmelze in drei Reaktorblöcken ausgegangen werden. Damit ist definitionsgemäß der Supergau eingetreten.

Doch was bedeutet das? Die Betreibergesellschaft ist in ihren Verlautbarungen offenbar immer noch darauf fixiert, ob das Containment, also die innere Hülle der Reaktoren intakt ist. Stündlich gibt es dazu widersprüchliche Meldungen. Doch das ist unwesentlich.

Was nun geschehen kann

Der Ereignishorizont lässt sich ab jetzt viel schwerer eingrenzen. Bestimmend ist die Art der glühenden superheißen Schmelze im Reaktor und ihr Verhalten im Untergrund des Reaktors. Ohne Zweifel wird sie den Betonboden aufschmelzen. Doch wie wird sie sich dann im Untergrund verteilen? Falls die Schmelze in einer Art Kessel verbleibt, dann könnten die leichteren Anteile obenauf schwimmen. Es käme zu einer Konzentration der schweren Anteile mit einer angefachten atomaren Kettenreaktion. Im schlimmsten Fall stünde am Ende dieser Entwicklung die schmutzigste atomare Explosion, die jemals stattgefunden hat.

Da es eine totale Schmelze in dieser Art noch nie gegeben hat, kann auch niemand sagen, wie sie sich verhalten wird.

Infos dazu auf Deutschlandradio /Berliner Umschau

Das zweite Szenario ist milder, aber immer noch schrecklich genug: Die Kernschmelze frisst sich in den Untergrund. Nach Kontakt mit dem Grundwasser entstehen riesige Mengen Dampf und Wasserstoffgas. Die folgende Explosion pulverisiert das Containment und verteilt die Radioaktivität im weiten Umkreis.

Wollen wir hoffen, dass es so abläuft: Die Schmelze verteilt sich großflächig, wird dadurch verdünnt und lässt sich abkühlen. Aber auch in diesem Fall tritt entsetzlich viel radioaktive Substanz aus. In dreißig bis fünfzig Kilometern Umkreis wird nie wieder ein Mensch den Boden um Fukushima betreten. Große Teile Japans werden heftigen Strahlenbelastungen ausgesetzt. Daraus ergibt sich ein jahrzehntelanges Siechtum für zahllose Japaner. Fischerei und Landwirtschaft werden für lange Zeit nicht mehr möglich sein.

Warum Rettung immer schwieriger wird

Ab 400 Millisievert pro Stunde kann ein Arbeiter nur noch 30 Minuten eingesetzt werden. Danach muss er für immer raus aus der Gefahrenzone. Da an einigen Stellen bereits tausend und mehr Millisievert pro Stunde auftreten, wird bald ein arbeiten in Reaktornähe überhaupt nicht mehr möglich sein. Dann kann kaum noch Einfluss genommen werden auf ein halbes Dutzend Kernschmelzen.

Offensichtlich ist man beim Betreiber Tepco Opfer der selbst generierten Beschwichtigungsstruktur geworden. Die permanente Politik des Vertuschens und Beschönigens führt im Fall extremer Gefahr zur Unfähigkeit angemessen intensiv zu reagieren. Man wird sozusagen vom eigenen dummen Sicherheitsgeschwätz hypnotisiert. So wurden die knappen Chancen durch zu schwaches Reagieren für immer vertan.

Übrigens findet die Selbsthypnose durch das Gerede von der Sicherheit in allen Ländern mit Atomkraftwerken statt, teilweise mit identischen Formulierungen.

Wie reagieren die Atomblödel in Deutschland ?

Vor den Landtagswahlen und einem wahrscheinlichen politischen Gau bei diesen Wahlen ist die notorische Atomkanzlerin Merkel eingeknickt. Sie hat ein „Moratorium“ von drei Monaten verkündet. Während dieser Zeit soll die Sicherheitslage überprüft werden. Einzelne Kraftwerke, die- Überraschung- jetzt als unsicher gelten sollen sofort abgestellt werden.

Die Atomplapperer Mappus und Seehofer, Atomminister Röttgen, Atomminister Söder, Atomminister Zeil, Atomminister Brüderle, Atomintimus Westerwelle und das ganze sonstige Personal der atomaren Risikoparteien CDU, CSU und FDP stimmen dieser Kehrtwendung zu, mehr zähneknirschend und aus Angst vor den Wählern, denn aus Einsicht.

Besonders interessant, dass der frühere Kernkraftjubler Seehofer dabei unabsichtlich seine ganze Ahnungslosigkeit zum Thema Atomenergie zum Besten gegeben hat.

Anscheinend war diesem Herrn die Komplexität der Logistik eines Atomkraftwerks gar nicht bekannt.

CSU-Chef Horst Seehofer:

Wenn das Kraftwerk [Isar-1, Anm.] – wie behauptet – nicht sicher wäre, müssten wir es ja sofort abschalten (taz, 2.8.2010)

“[Es] stellt sich ja heraus, dass die Infrastruktur eines Kraftwerks – also die Stromversorgung, die Notstromversorgung, die Sicherheit vor Einbruch von Wasser – offensichtlich eine höhere Bedeutung für die Sicherheit eines Kraftwerks haben. […] Deshalb müssen wir auch bei uns die Infrastruktur eines jeden Kraftwerks jetzt noch einmal unter die Lupe nehmen.” (dpa, 15.3.2011)

Weitere Politiker-Zitate hier auf zeit.de

Was machen andere Länder?

Weltweit haben viele Länder die enormen und unbeherrschbaren Risiken der Atomkraft noch nicht verstanden. Besonders uneinsichtig zeigen sich China, Russland, Frankreich, Schweden, Großbritannien, die USA, um nur einige zu nennen.

Es sieht so aus, als müsste in den nächsten Jahren noch einmal ein schrecklicher Unfall passieren, bis endlich Vernunft einkehrt.

Was ist gescheh`n, wann wird man je versteh`n?


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