„Geisenfelds Mohrenstraße muss umbenannt werden“

Erneute Recherchen zur tätlichen Auseinandersetzung zwischen Asylbewerbern und einem Wachmann in der Gemeinschaftsunterkunft im Feilenmoos brachten eine Geisenfelder Peinlichkeit ans Licht: Nigerianische Asylbewerber stießen bei einer Radtour durch Geisenfeld auf die Mohrenstraße. Beim Versuch diesen „Schandfleck“ umzubenennen, stieß Geisenfelds Stadtrat Sebastian Feixenhügel (Referat gegen Rassismus) im Rathaus jedoch auf taube Ohren.

Dunkel- gegen hellhäutig, dieser Aspekt der Schlägerei unter nigerianischen Asylbewerbern und der anschließenden Auseinandersetzung mit einem hellhäutigen Wachmann erregte zunächst keine Aufmerksamkeit, als die Polizei am Morgen des 16. März mit vier Streifenwagen in der Asylunterkunft anrückte. Der Auslöser der Schlägerei, so die Polizei, sei ein Raucher unter den Nichtrauchern in der Gemeinschaftsküche gewesen.

Doch Stadtrat Sebastian Feixenhügel wollte es genauer wissen und hörte sich mit einem befreundeten Dolmetscher unter den mittlerweile dort lebenden rund 100 Asylbewerbern um. Feixenhügel, er sitzt für die „Initiative Lebendiges Dabeisein“ (ILD) im Geisenfelder Stadtrat, besucht als Referent „Gegen Rassismus, für Integration“ regelmäßig die neue Gemeinschaftsunterkunft in der ehemaligen Patriotstellung.

Radtour führte zur Mohrenstraße

Wie er aus Gesprächen mit den Asylbewerbern erfuhr, radelten am Tag vor der Schlägerei zwei nigerianische Asylbewerber durch Geisenfeld. Im Altstadtbereich, hinter Rathaus und unterhalb der Kirche fanden sich die Ausflügler plötzlich auf einer Straße mit dem Namen „Mohrenstraße“ wieder. Aufmerksam geworden durch den Aufkleber „Name it Racism!“ auf einem der Straßenschilder, „googelte“ man sich schnell auf dem Smartphone die rassistische Bedeutung des Straßennamens.

Zurück in der Gemeinschaftsunterkunft wurde diese Entdeckung auch noch spätnachts in der Gemeinschaftsküche erregt diskutiert. Hinzu kam die Auseinandersetzung mit einem dort rauchenden Mitbewohner. Mit den rassistischen Vorwürfen konfrontiert, reagierte der wegen des lautstark geführten Streits um die rauchfreie Gemeinschaftsküche hinzugekommene Wachmann wohl etwas „unsensibel“ und flüchtete vor dem heftiger werdenden Handgemenge in einen abgeschlossenen Bereich. Die Polizei kam, schlichtete den Streit und ließ zwei wegen Kopfplatzwunden verletzte Asylanten ins Klinikum Ingolstadt bringen.

Stadtrat Feixenhügel war sprachlos. Sollte er, der alles „rassistische“ in Geisenfeld und Umgebung erfolgreich bekämpft hatte, eine „Mohrenstraße“ in Geisenfeld übersehen haben?
Also fuhr er mit den beiden Nigerianern an die von ihnen beschriebene Stelle. Und tatsächlich: Zwischen „Schlagtörlgasse“ und „Am Gellert“ verlief –zugegebenermaßen in einem wenig frequentierten Bereich- in Richtung Ilm eine „Mohrenstraße“!

Wie Feixenhügel später gegenüber „Bürgersicht“ einräumte, kam er in den gesamten 23 Jahren, in denen er in Geisenfeld wohnte, noch nie in diesen Ortsteil. Die Sache mit dieser Straße sei ein herber Schlag für ihn gewesen.

Profilierte sich Feixenhügel doch bisher seit seiner Wahl zum Stadtrat als unbeirrbarer Streiter gegen alles Rassistische im Raum Geisenfeld.

Aus Negerfink wurde Tigerfink
Aus Negerfink wurde Tigerfink

Der Hobby-Ornithologe kämpfte bei der „Ornithologischen Gesellschaft in Bayern“ für die Umbenennung der im Feilenmoss brütenden „Negerfinken“ in “Tigerfinken”.

(Bei den „Lappenmeisen“ kämpfte er bisher vergebens)schokomobil-1

Das an den Markttagen in Geisenfeld anzutreffende „Schokomobil“, bekam erst wieder eine Standgenehmigung, nachdem an dem Wagen -auf Feixenhügels Initiative vom Stadtrat beschlossen- der Schriftzug „Negerküsse“ in „Schaumküsse“ umlackiert wurde.

 

 

Trauth_früherEr legte sich sogar mit seiner Stadtratskollegin Edith Schultz an.

Das von Schultz geführte „EDITH’s wein+sinne“ besuchte er solange täglich, bis die wegen ihrer Qualität von den Kunden hoch geschätzten „Mohrenköpfe“ aus der „Mohrenkopffabrik Eugen Trauth & Söhne“ aus dem Sortiment genommen und sie gegen „politisch korrekte“ austauscht wurden. (Die Fabrik heißt mittlerweile Eugen Trauth & Söhne und dort produziert man jetzt u.A. „Schokoküsse“)

 

Mohr im Hemd
Mohr im Hemd

Dem restlichen Stadtrat lag er lange Zeit damit in den Ohren, nach den Stadtratssitzungen doch bitte den Untermieter im Rathaus, „Cafe-Bar-Restaurant Maximilians“ nach den Sitzungen zu meiden, da man dort das Dessert „Mohr im Hemd“ anbieten würde.

(Nicht mehr auf der Karte zu finden)

 

 

Unverändert
Unverändert

Kein Glück hatte Feixenhügel bei den örtlichen Lebensmittelhändlern. Seine Versuche, alle Arten Zigeunersoße und Sarotti-Schokolade (die mit dem Mohren) aus den Regalen entfernen zu lassen, waren bisher Fehlschläge.

Und jetzt der Schandfleck „Mohrenstraße“.

Da seine Gruppierung (ILD) bekanntlich nur gegründet wurde, um die Chancen zur Wiederwahl des amtierenden Bürgermeisters zu erhöhen und ihm nach der erfolgreichen Wahl eine mögliche Hausmacht im Stadtrat zu sichern, war ihm Bürgermeister Staudter noch etwas schuldig. Die Umbenennung der Straße dürfte also nur noch eine Formalie sein. (Das die bei der Wahl Federn lassenden Freien Wähler (FW) sich nach der Wahl an die Rockschöße des Bürgermeisters hängen würden, und ihm damit die ganz große Mehrheit verschafften, konnte vorher doch keiner ahnen)

Feixenhügels „ILD“ reichte für die nächste Stadtratssitzung den Antrag ein. „Der Stadtrat möge beschließen, die „Mohrenstraße“ wegen rassistischer Namensbezeichnung umzubenennen und ihr einen politisch korrekten Straßennamen zu geben“.

Auf der März-Sitzung kam es jedoch anders.

Wie schon in den vergangenen Sitzungen, hatte Bürgermeister Staudter den Traditionalisten in sich entdeckt. Wie schon beim Antrag des Kameradschaftsvereins, als es darum ging, einen Maibaum am Stadtplatz aufzustellen zu dürfen, übersah Staudter sein großsprecherisches Ziel, „Geisenfeld jeden Tag ein bisschen besser zu machen“, und argumentierte auch hier, nahezu wortgleich, gegen das aufleben einer „neuen Tradition“ von Umbenennungen.

„Ich weiß von keiner Straße, die man jemals rund ums Kloster umbenannt hätte“.

Bürgermeister Zwei, Stadtrat Gigl von den FWlern sprang im pflichtschuldig zur Seite. „Da muss doch einer vom Bauhof nauf steigen. Was is, wenn der beim Schilder auswechseln runterfällt“?

Nur Stadtrat Hans Schranner, in der zurückliegenden Wahlperiode zuständig für das „Referat Straßen, Wege, Plätze“ hielt dagegen. „Mir gefällt es besser, wenn unter unserem weiß-blauen Himmel nur politisch korrekte Straßennamen sind. Dann beißt sich da auch nix“. Die anschließende Abstimmung ergab ein 8-15 gegen die Umbenennung der Mohrenstraße.

Die Besucher dieser Stadtratssitzung rätselten später über die Haltung des Bürgermeisters.

Waren ihm Tragweite und bundesweite Publicity nicht bewusst? Lief er sonst nicht auch jeder Möglichkeit hinterher, sich und die Stadt als „einzigartig in der Region“ zu verkaufen? Brachte er nicht wegen der zu erwartenden Presse den an die Judenverfolgung erinnernden „RESTLICHT“-Baldachin nach der Geisenfelder Veranstaltung persönlich nach München?

Geisenfelds Mohrenstraße muss unbedingt umbenannt werden“, gab sich Feixenhügel im Anschluss an die Stadtratssitzung kämpferisch. Er wisse auch wie er es in einem zweiten Anlauf doch noch schaffen und dabei die Schwachstelle des Bürgermeisters nutzen könne, vertraute er „Bürgersicht“ an.

Es sei eigentlich ganz simpel. Man müsse nur dem bayerischen Fernsehen einen Tipp geben. Die würden dann beim Bürgermeister nachfragen, wann sie wegen des enormen Interesses an der bevorstehenden Straßenumbenennung ein Fernsehteam vorbeischicken sollen.

Wenn der dann nicht krank sei,
würde Staudter -zur Not mit einem Eilbeschluss-
das Straßenschild sogar persönlich übermalen!

(Für die “Blinden” unter den Lesern. Sie haben das Veröffentlichungsdatum bemerkt?)

Über Bernd Schuhböck

Nach den Maßstäben der Ära Willy Brandts politisch eher linksliberal. Wer ihn missverstehen möchte, nennt ihn einen Sozialromantiker. Wer ihn kennt, wertkonservativ und mit zu viel Ethos für einen Bayer. Der Mann für´s kommunale, soziale oder sonstwie politische. Oder für Themen, für die sich keiner fand, der sie aufgreifen wollte.

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