Keine leichte Aufgabe. Pfaffenhofens Bürgermeister Thomas Herker zählt beim Thema Asyl auf seine Bürger

Pfaffenhofen Asyl – „Vor Turnhallenbelegung schicken wir Asylantenbus zurück“

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Empathie und Hilfsbereitschaft prägen die Bürgerschaft in der Pfaffenhofener Kreisstadt

An diesem Abend solle man nicht darüber diskutieren „wie hätten wir die Welt gerne wenn wir sie uns zimmern könnten“, so Bürgermeister Thomas Herker in seiner Anmoderation. Das Anliegen dieser Bürgerversammlung sei es „sich heute Abend auf die eigene Haustüre zu konzentrieren“.

Im Reigen der aktuell im Landkreis stattfindenden Asyl-Bürgerversammlung nahm die Versammlung im Pfaffenhofener Rathaus vom 5. November eine Sonderstellung ein. Sogar in dreifacher Hinsicht.

Zum einen wurden die Bürger der Kreisstadt von ihrem Bürgermeister, in nicht wie zu den drei zurückliegenden und den beiden noch kommenden Asyl-Bürgerversammlungen vom Landrat eingeladen. Trotz dieser geänderten Vorzeichen „sei er der Einladung gerne gefolgt“ unterstrich Landrat Martin Wolf sein Engagement in der Sache.

In der von Bürgermeister Herker geleiteten Veranstaltung beteiligte sich Wolf, zusammen mit einem Expertenteam aus dem Landratsamt, der Caritas und dem Leiter der Polizei Inspektion Pfaffenhofen an der Beantwortung sachgebietsbezogener Fragen aus den Reihen der annähernd 300, zum Teil im Vorraum des Saales stehenden ausharrenden Bürger.

Im Gegensatz zu den bisherigen Asyl-Bürgerversammlungen in Geisenfeld, Wolnzach und Manching, und das war die zweite Besonderheit dieser unter dem Motto „Herausforderung für das Gemeinwesen und Lösungsansätze“ anberaumten Asyl-Bürgerversammlung in der Kreisstadt, war die fast mit Händen zu greifende Empathie der anwesenden Pfaffenhofener, deren ungebrochene Hilfsbereitschaft und der Wille, zusammen mit der Stadtverwaltung, die Herausforderung positiv anzugehen.

Als dritte Besonderheit, und zugleich politischer Paukenschlag, kann man die Ankündigung von Landrat Wolf werten, als er zum Thema Belegung von Turnhallen im Landkreis eine „harte Nummer“ ankündigte. Bei den absehbar schwierigen Zeiten bis Weihnachten werde er die kommenden zwei Monate zwar „noch einige Schweißperlen auf der Stirn“ haben.

Doch, und jetzt wurde er grundsätzlich:
Mein Prinzip ist: Wir werden keine Turnhalle gegen den Willen der Gemeinde belegen. Ich will den Zusammenhalt des Landkreises nicht gefährden. Wir werden uns gemeinsam überlegen, ob wir einen Bus zurück schicken“ gab sich der Landrat kämpferisch..

Wegen einer Turnhallenbelegung würde „er jetzt nicht gleich das Landratsamt anzünden“, versuchte Bürgermeister Herker eine Abwägung für die Stadt Pfaffenhofen vorzunehmen. Er wünsche sich zwar etwas anderes, aber „wir haben im Landkreis die höchste Dichte an Sporthallen. Wenn es hart auf hart kommt, würde die Welt nicht untergehen, für temporäre Nutzung eine der Hallen in Pfaffenhofen zur Verfügung zu stellen“.

Eine Halle wäre ein Sechstel der Sportflächen in der Stadt. „Dieses Sechstel könnte man im Schulbetrieb ausgleichen und untereinander kompensieren. Für Vereine könne man, wie auch in anderen Landkreisen geschehen, sicher eine Lösung finden“.

Im weiteren Verlauf des Abends wurde die unveränderte Sicherheitslage in der Stadt durch den Polizei-Chef vorgebracht, bestehende, mögliche dezentrale Unterbringungsobjekte vorgestellt und bewertet, anstehende Baumaßnahmen und integrationsgetriebene Vorhaben der Stadt und deren finanzielles Volumen angesprochen (Herker: „Wir bauen für Bedürftige, nicht für Asylbewerber“), Hilfs- und Integrationsangebote der in der Stadt vielfältig tätigen Organisationen, Helferkreise und Vereine vorgestellt (und gleichzeitig die Hilfsangebote aus dem Kreis der Zuschauer registriert) und eine Innovation angekündigt.

Kommende Woche werde man das Wohnraum-Vermittlungs-Portal „WG pedia“ vorstellen, mit dessen Hilfe man Angebot und Nachfrage nach freiem Wohnraum zusammenführen möchte. Zum Beispiel Asylbewerber als Untermieter bei Familien. Zusammen sind wir nämlich weniger allein!

Eine gut funktionierende Form der Integration, wie eine Bürgerin berichtete. Ihr Sohn sei ausgezogen, „und so habe ich meinen blonden, blauäugigen, gegen einen dunkelhaarigen, braunäugigen Bewohner getauscht“, berichtet die Pfaffenhofenerin von ihrem neuen, sich „toll integrierenden“ Untermieter.

Atmosphäre, Stimmung und ausführliche Statements zur Problemstellung und Bürgerfragen im „Bürgersicht“-Video zur Veranstaltung. Natürlich auch mit der (einzig richtigen Meinung des Verfassers) Reaktion von Bürgermeister Herker auf eine Fragestellerin von Auswärts, die, obwohl vom Publikum bereits zur Ordnung gerufen, im Gegensatz zum Sinn der Veranstaltung unangebrachte Fragen loswerden wollte)

Wir können nicht beeinflussen was über uns geschieht, aber wir sind gezwungen mit der Situation vor Ort umzugehen“ umschrieb Herker den Handlungsrahmen Aller in der Kommune. „ Je aktiver wir das tun, umso besser mag es uns gelingen, die Zukunft zu gestalten. Ich hoffe im Minimum auf ihre moralische Unterstützung, im Idealfall auf körperlichen Einsatz“. An Aufgaben werde es sicher nicht mangeln.

Bei allem Einsatz auch jenseits der formalen Zuständigkeit der Stadtverwaltung, funktionieren werden alle Integrationsbemühungen „nur mit breiter Unterstützung und Zivilcourage der Bürgerschaft“ bilanzierte Bürgermeister Herker in seinem Schlusswort die Aufgabenstellung der nächsten Wochen und Monate.

Alles wäre nichts ohne Sie“ appellierte er an die Besucher.
Um den Abend mit „Ich zähl auf Sie“ zu beschließen.

 

Über Bernd Schuhböck

Nach den Maßstäben der Ära Willy Brandts politisch eher linksliberal. Wer ihn missverstehen möchte, nennt ihn einen Sozialromantiker. Wer ihn kennt, wertkonservativ und mit zu viel Ethos für einen Bayer. Der Mann für´s kommunale, soziale oder sonstwie politische. Oder für Themen, für die sich keiner fand, der sie aufgreifen wollte.

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