Die neueste Verkehrszählung ist da. Stützt sie die Argumente zum Bau einer Nordumgehung in Geisenfeld? Nein! Was wirklich fehlt ist die Südumgehung.

Verkehrszählung – Licht und Schatten

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Hatte man sich von der neuen Straßenverkehrszählung die Bestätigung zum Bau einer Nordumfahrung erhofft, so weisen die Zahlen speziell auf das Fehlen der Südumfahrung hin. Mitten in der innerstädtischen Verbindungsstraße, der Maximilianstraße, ist der Verkehr sogar rückläufig.

Was reinkommt muss auch wieder raus. Doch wohin fließt es wieder ab? Darüber schweigt sich auch diese, im Fünfjahres-Turnus von der Obersten Baubehörde aus dem Bayerischen Staatsministerium des Innern vorgelegte Straßenverkehrszählung (SVZ) aus. Als Ergebnis der Ermittlung von Verkehrsstärken werden nur Gesamtzahlen ohne Richtungsangaben veröffentlicht.

Im Vergleich zum Jahr 2005 ersieht man für das Jahr 2010 in Geisenfeld zwar eine Zunahme des Verkehrs, doch Richtung Norden, am Ortsende der Stadt, halbiert sich die Zunahme des Pkw-Verkehrs. Güter- und Schwerlastverkehr drehen sogar ins negative und nehmen ab.

Das lässt auf starken innerörtlichen, also hausgemachten Verkehr schließen.

Gibt es gegenüber 2005 ein ansteigendes Verkehrsaufkommen zwischen der Kreuzung Regensburger/Maximilianstraße und den Einkaufsmärkten an der Nöttingerstraße durch 971 Pkws, 194 Güter- und 42 Schwerlasttransportern, so minimiert sich dieses zusätzliche Aufkommen im weiteren Verlauf nach Nötting.
Durch Nötting fahren von und zur  B16 nur noch 469 dieser Pkws, und insgesamt 140 Güter- und 106 Schwerlastfahrzeuge weniger als im Vergleichszeitraum des Jahres 2005.

Komplett rückläufig ist das Verkehrsaufkommen auf der Staatsstraße 2335 von und nach Rottenegg. 13 Pkws weniger, 152 Güter- und 79 Schwerlastfahrzeuge weniger als im Jahr 2005.

Das darf nicht über die insgesamt schlechte Verkehrssituation in der Stadt hinwegtäuschen.
Nur wirft diese aktuelle Verkehrszählung ein besonderes Licht auf die Diskussion um die beiden Umgehungsstraßen.

Muss sie wirklich zuerst gebaut werden, die Nordumgehung? Ohne die Südumgehung?

Auswertung gefällig? Auf das Bild klicken.

Wer sich ein unvoreingenommenes Bild der Verkehrszählung 2010 machen -und nicht auf marktschreierische Interpretationen angewiesen sein will -sollte die Auswertung der Verkehrsstärken auf Bundes- und Staatsstraßen im Internet nutzen. Ein Klick auf die nebenstehende Grafik reicht.

Der größte Verkehrsstrom bewegt sich in und aus Richtung Süden, von der Staatsstraße 2232 Königsfeld/ Geisenfeld-Zell auf der Münchnerstraße. Mit täglich 10058 Verkehrsbewegungen und einer Steigerung gegenüber 2005 von 694 Pkws und 18 Schwerlastfahrzeugen (Minus 18 Güterfahrzeugen) beherbergt Geisenfelds Süden die Hauptverkehrsader der Stadt.

Sieht man sich dagegen die B300 zwischen Langenbruck und Ortsanfang Geisenfeld an, fallen die moderaten Zunahmen des Pkw-Verkehrs um 207 Fahrzeuge und die geringe Steigerung des Güter- und Schwerlastverkehrs um 33, bzw. 8 Fahrzeuge auf.

Der Verkehr von der Autobahnausfahrt Langenbruck, Richtung Nötting weiter zur B16, scheint den Bau einer Nordumfahrung mit einer Investitionssumme von ca. 15 Millionen Euro, ohne verbale Klimmzüge nicht zu rechtfertigen.

Die vorgelegten Zahlen der Verkehrszählung legen nur einen Schluss nahe: Geisenfeld braucht eine Südumfahrung. Die ist aber frühestens in 15 Jahren vom Freistaat Bayern zu bekommen. Ob sich die Aussichten auf eine eventuell spendierte Südumfahrung, mit einer Jahre vorher selbst finanzierten und gebauten Nordumfahrung steigern lassen, ist fraglich.

Im ungünstigsten Fall hätte man auf Jahrzehnte hinaus nur eine Nordumfahrung ohne Südumfahrung, aber mit der dadurch geschaffenen Abkürzung zur B16 dem Geisenfelder Norden zusätzlichen Lärm und den Nöttingern unnötigen Verkehrszuwachs beschert.
Im Süden bliebe jedoch alles wie gehabt. Das wäre zwar immer noch kein Verkehrsinfarkt, wie die Heimatzeitung einen Artikel zur Verkehrszählung in gewohnt übertriebenem Superlativ betitelt.
Doch eine sinnvolle, von ALLEN gewollte Verkehrsentlastung sähe anders aus.

Über Bernd Schuhböck

Nach den Maßstäben der Ära Willy Brandts politisch eher linksliberal. Wer ihn missverstehen möchte, nennt ihn einen Sozialromantiker. Wer ihn kennt, wertkonservativ und mit zu viel Ethos für einen Bayer. Der Mann für´s kommunale, soziale oder sonstwie politische. Oder für Themen, für die sich keiner fand, der sie aufgreifen wollte.

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